Ausgabe 
22.9.1767
 
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Gl'essische wöchentlich $ Semekttttvtzige Anzeigen

Gewis, um Vas meinige war ich lange so bekümmert nicht. Aber mein Kummer foU dich deswegen nicht abfchrecken, dich bey jeder Gelegenheit mit einer männ­lichen Tapferkeit hervorzuthun, oder irgend eine Gefahr zu scheuen, wozuldich deine Pflicht ruft. Denn das muß ich dir auch sagen, daß ich mich ungleich mehr betrüben würde, wenn ich von dir erführe, daß du verzagt geworden wärest, als wenn ich hörte, daß du als ein rechtschaffner Soldat' dein Le­den gelassen hättest. Doch das erste ist nicht einmal zu befürchten, weil das Blut deines Vaters in deinen Adern'fließt, und wenn ich von dem letzteren Nachricht erhalten sollte; so wären zwar alle meine Wünsche ver­eitelt; aber ich würde doch noch selbst in deinem Tode einen Trost finden. Nur trachte vor allen Dingen darnach, (ich kann dich nicht oft genug an diese Pflicht erinnern,) daß du nicht allein als ein tapfrer und vorsichtiger Soldat, sondern auch als ein rechtschaffner Mann und als ein Christ stirbst.

Das sey immer dein erstes Gesetz: laß dich in deiner Religion, die du einmal mit Ueberzeugung angenommen hast, nicht irre machen, und suche immer den Trost, den ich um tausend Welten nicht hingeben wollte, in demer Seele zu erhalten, daß dir GOtt um deines Erlösers willen gnädig seyn werde. Ich erinnere dich hieran nicht ohne die allerwichtigste Ursache. Denn du wirst in Gesellschaften kommen, wo man eines solchen Trostes spottet. Du wirst Leute kennen lernen , die weder von GOtt noch einer christlichen Religion etwas wissen wollen. Du wirst viele -Officiere sich der grüßten Tapferkeit ohne Christenthum rühmen hören. Allein, mein Ge­klebter, glaube mir auf meine Ehre, ich bin nunmehro siebzig Jahr alt ge­worden, ich habe noch nie einen tapferen Religionsspötter gesehen, und wenn du darauf acht geben willst; sv wirst du auch nie einen erblicken. Sre sind Poltrons, die, fern von Gefahren, trotzig thun und sich für die * unerschrockensten Helden ausgeben. Aber du kannst gar nicht glauben, wie gern sie leben, und wie ungern sie sterben. Ich habe dergleichen Helden verwundet gesehen; da hättest du einmal ihre pöbelhaften Flüche und ihr fei­ges, ihr verzwelflungsvottes Geschrei) hören sollen. Ich habe dergleichen Helden auf dem Schlachtfeld gesehen, o wie zitterten sie, wie bange war ihnen um ihr Leben. Glaube mir, mein lieber Friedrich, dergleichen Leute sind keine Soldaten. Ihre Tapferkeit ist entweder blosse Pralerev oder Wuth Von dem edlen Tode für das Vaterland und für seine Pflicht weis ein Freygeist nichts, und wenn er ja unverzagt in ein Treffen gebt- so thut er es nur aus Furcht für der Schande oder aus eitler Ruhmsucht'

ist kerne ungegründtte Beschuldigung. Ich weis es aus tausend Er- fthrun-