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de, die es zu verheeren droheten, preßten ihm manchmal Thränen aus- . die von einem unendlich höheren Werth waren als die köstlichsten Perlen, weil sie aus der Quelle eines Herzens flössen, das zu grosen Thaten geboh- ren ist.
Sein Herr Onkel kannte diese Lieblings Neigung seines Neffen ss aut, als ich; weil er aber der einzige war, auf dem die Erhaltung seiner Familie ruhete; so bemüheten wir uns, ihm den Geschmack amSoldaten- leben täglich unansi rehmer zu machen. Wir hielten ihm die mannigfaltigen Gefahren vor, denen er sich aussetzen würde, und den unersetzlichen Verlust, den seine Familie alsdann vielleicht durch seinen Tod würde beklagen können. Dieses alles aber bewog ihn nicht, von seiner Neigung abzugehen. Wir mußten ihm nachgeben, so ungern wir eS auch sahen, daß er auf seinem Entschluß beharrte. Er reißte im fünfzehnten Jahre seines Alters zur Preußischen Armee ab, und ich verließ meine Hofmeisterstelle, die ich bisher mit so viel Vergnügen verwaltet hatte, mit eben dem grasen Misvergnügen, mit welchem ich die lehrreiche Gesellschaft des liebenswürdigsten Generals verließ. Dieser verehrungswürdige Greis starb vor einigen Jahren in einem sehr hohen Alter, nachdem er seinen Neffen zum einzigen Erben seiner sehr grosen Reichthümer eingesetzt hatte^
Nunmehro komm ich aus die Einsichten und die Denkungsart diese- vortreflichen Generals. Er schrieb sehr oft Briefe an seinen Neffen, die nicht allein voll väterlicher Zärtlichkeit waren, sondern auch allerley Lehren enthielten, die ihm so wohl als einem Soldaten, als einem rechtschaffnen Manne nützlich seyn konnten. Mein Freund hat mir eine Abschrift von dem ersten seiner Briefe mitgetheilt. Ich weiß keinen bessern Gebrauch davon zu machen, als daß ich ihn hier öffentlich bekannt mache. Wenn ich erfahre, daß er mit Vergnügen ist gelesen worden: so will ich sorgen, daß ich die übrigen Briefe dieses erfahrnen Generals, der eine eben sogrose Einsicht m die Wissenschaft zu leben, als in die Kriegskunst besaß , ebenfals erhalte und sie hernach meinen Landsleuten mittheilen kann. Hier ist der erste-
Mein geliebtester Friedrich!
Du bist glücklich, wie ich aus deinem Briefe sehe, bey der Armee ange- kommen. Ich freuemich von ganzem Herzen darüber, weil ich «dich noch immer mit einer väterlichen Zuneigung liebe, so sehr du auch meinem Willen zuwider den Soldaten Stand «wählt hast. Aber eben aus dieser väterlichen Liebe enstehet gar ost ein nagender Kummer in mir um dein Leben,
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