Ausgabe 
22.9.1767
 
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Mefische wocheMich- gememngtzige Anzeigen

bilden das Glück hatte» Ich geniest noch immer das Vergnügen, mit ihm Briefe zu wechseln, so sehr weit wir auch von einander getrennt leben,.und es begegnet ihm nicht leicht ein Zufall von Wichtigkeit, den er mich nicht wissen liesse.

Es wird nun wohl ein viertel Jahr styn, daß er an mich einen sehr kläg­lichen Brief schrieb, worinn er mir den Tod seines einzigen Herrn Onkeiö bekannt machte, eines Herrn, der die allervortreflichsten Eigenschaften be­saß, der der rechtschaffenste Mann und der tapferste S .sat war. Ich selbst, ich denke noch immer mit Entzücken an ihn, an diesen ehrwürdigen Greisen. Er war im Dienste seines Königes grau geworden, hatte sich durch seine Tapferkeit (Preußens Feinde zittern noch, wenn sie seinen Namen nennen hören,) bis zu einem der obersten Generale hinaufgeschwungen und er wür­de noch unfehlbar im rasenden Getümmel, wo er sich Lorbeem brach, auch seinen Tod gefunden haben, wenn ihm nicht die vielen Wunden, womit seine Tapferkeit war belohnt worden, verwehrt hatten, den beschwerlichen Feldzügen fernerhin beyzuwohnen. Er war genöthigt, sich von der Ar­mee wegzubegeben und sich in Ruhe zu setzen. In dieser einsamen Ruhe stellte er nunmehro Betrachtung über sein mühseeliges und unruhvolles Le­ben an, und er fände am Ende immer, daß alles in dieser Welt eitel sey, und daß vornehmlich der Ruhm, den man sich im Kriege erwerbe, unter die allergrößten Eitelkeiten der Erde gehöre, weil er mit so vielen Beschwer­lichkeiten verknüpft wäre und zu unsrer Gemüthsruhe, als unsrer eigentli­chen Glücksteligkeit, wenig oder gar nichts beytrüge. Eine von seinen an­genehmsten Beschäftigungen in seiner Einsamkeit, war die angelegentliche Sorge für die vernünftige ^Erziehung meines Freundes, der in der zarten Sagend seine beyden Eltern verjähren hatte, aber in diesem edelgesinnten nkel den Verlust derselben ersetzt sähe. Denn die zärtlichsten Eltern kön­nen nicht väterlicher für ihr Kind sorgen, als dieser liebenswürdige Greis für seinen Neffen.

Mein Freund fand zwar immer ein sehr grosts Vergnügen an den Wissenschaften. Allein die Neigung zum Soldaten Leben überwog dassel­be. Diese Neigung keimte nach und nach in ihm auf. Ein jugendlicher Leichtsinn war nicht die Quelle derselben, sondern ein wahrer Patriotismus, der ihm angeboren zu styn schien, wallte in seinem jungen Blute. Die Liebe zum Vaterlande, wozu er so oft und so nachdrücklich war ermahnt worden, - eine Ermahnung, die bey dem Unterrichte der Jugend leider! imr allzu sehr vergessen wird,) die Noch desselben sind die unzählbaren Fein­de,