Ausgabe 
20.10.1767
 
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W Gr'cssische wöchentlich - gemerttnötzl'ge Anzeigen

Es giebt Pedanten unter dcn Soldaten , unter Edelleuten , und Bur­gern. So bald ihr einen Menschen seht, der in seinem ganzen Betragen ein steifes und gezwungenes Wesen zeigt, der von nichts zu reden weis, als was ihn angeht oder zu seinem Handwerk gehört, der bey jedem un­schuldigen Witze seine Stirne in Falten legt und bey jedem munteren Ein­falle seiner Lunge das Lachen verbietet, der an den blossen Worten hangen bleibt, ^Lllbenstechereyen vorbringt, oder mit hochtrabenden und schwül­stigen Red nsarten alle seine Complimenten und Bitten ausdrückt; so bald denkt daß ihr einen Pedanten sehet. Durchgehet nun einmal eure Gesell­schaften, und sagt mir, ob sie nicht wenigstens um die Hclste aus Pe­danten bestehen. Es ist noch eine Frage, ob ein Gelehrter, der immer von seinen Büchern spricht, aus gelehrten Zeitungen erzählt und von nichts als gelehrten Sachen schwätzt, nicht noch weit erträglicher ist , als ein Handelsmann, der mich mit nichts als mit agio, mit der ab - oder zuneh- menden Theurung der Waaren und mit seiner Kündschaft unterhält; oder als ein Soldat, der von nichts zu reden weis, als von Feldzügen und Schlachten, denen er beygewohnt und von Duellen, die er gehabt hat; oder als ein Edelmann, der mir seine Jagden rühmt, von Hunden und Pferden mit mir lprichtUnd mich bey der Erzählung von seinen Ahnen und seiner alten Familie kaum noch über die Achsel ansieht. Meine Landsleute mögen selbst entscheiden, welche von diesen die erträglichsten Gesellschafter sind. So viel ist wohl ausgemacht, daß es sehr zu wünschen wäre, daß die Anzahl der Pedanten in unfern Gesellschaften täglich mehr abnehme. Es wmde ungleich mehr Vergnügen und Munterkeit darin herrschen und die Sprache des würde weit freyer, ungezwungner und na­türlicher seyn.

Doch wieder auf die Kleinigkeiten zu kommen, womit mich meine Landsleute in ihren Gesellschaften auf eine witzle und vergnügende Art unterhalten sollten. Wenn ihr müde seyd, von Kleinigkeiten mit mir zu reden (Denn wer kann immer von Kleinigkeiten reden oder reden hören?) so sangt von einer andern Materie zu reden an. Erzählt mir von den schö­nen und anmutbsvollen Spatzlergängen oder von den entzückenden Aus­sichten eurer Vaterstadt oder eines andern -Orts, wo ihr euch ehemals auf- g.halten habt. M-ckt m-ch begierig, sie kennen zu lernen. Redet mit mir von Den Musiken unD Concetten, die ihr Dafelbfi gehört habt. Sagt mir, ob sie euch gefallen haben und ob sie besser waren, als an andern Or­ten. Das höre ich g.rn unO ihr könnt dadurch einen Beweis von eurem

guten