Ausgabe 
20.10.1767
 
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guten Geschmacks und eurem feinen Gefühle ablegen. Ich werde euch noch so lieb gewinnen, wenn ihr mir beweißt, daß ihr ein empfindungs­volles Herz habt. Sprecht mit mir von den Seltenheiten und Merkwür­digkeiten der Oerter, die ihr gesehen habt. Macht mich mit euren Freun- ' den in denselben zum voraus bekannt, Lernt mich die berühmten und recht- schafnen Leute kennen, die darin gelebt haben und noch leben. Schildert mir den Geschmack der Einwohner. Unterhaltet mich von ihren Gewohn­heiten und von der Verschiedenheit ihrer Denkungsart. Sagt mir, ob tin Ort prächtige Gebäude, schöne öffentliche Plätze hat, ob die Lebens­mittel daselbst theuer oder wohlfeil find. Alles dieses höre ich gern, weil ich vielleicht in Umständen kommen kann, wo mir eure Nachrichten unge­mein vortheilhaft seyn können. Und jedermann wird auf dergleichen Dm- ge aufmerksam seyn. Ich glaube nicht, daß man in einer Gesellschaft Langeweile haben oder misvergnügt seyn kann, worinn sich Leute befinden, die uns von den berühmtesten Städten in Europa dergleichen Nachrichten geben können. Wer hört nicht gerne einem Manne zu, der uns die Re- gelmafigkeit und Schönheit der Stadt Mannheim beschreibt oder uns von den sehenswürdigen Seltenheiten in Cassel unterhält? Wen vergnügen dre Erzählungen nicht von der ungeheuren Gröfe der Städte Paris und London, von den prächtigen Palästen und andern Merkwürdigkeiten der­selbe? Wem sind die Beschreibungen von den berühmten Bildergalerien m Düsseldorf oder Dresden unangenehm und wer könnte nicht ganze Ta­ge von den Merthümerrr Roms reden hören? Von diesen und andern ähnlichen Dingen wird man also mit einem jeden reden können , und in jeder Gesellschaft wird es auch Leute geben, die von dergleichen Dingen zu reden ,m Stande sind, wenn nicht ein besonderes Verhängnis lauter schaale Kopse zusammen geführt hat, die davon noch nie etwas weder gehört, noch gesehen, noch gelesen haben.

. . 3" diesen Vratm'en zu einem Gespräche kann zum Exempel ein Frem­der in der Geielljchaft Gelegenheit geben. Man frage ihn nach den Merk­würdigkeiten semer Vaterstadt oder andrer Oerter, durch welche er auf serner Reise gekommen ist. Ueberhaupt können kluge Fragen tausend ange­nehme Unterhaltungen verursachen. Man kann dadurch bevnahe am be# tun erfahren, wie jemand gesinnt und in welcher Sphäre er eigentlich zu Hame ist - Doch hierüber muß ich künftig noch einige besondere Be­trachtungen erstellen. - ü -

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