und Nachrichten^ z;r
(übel sind, so seyd so gut/ und führt sie um eures eignen Vergnügens undVortheils willen aus. Denket nicht/ daß ich euch zu lauter finstern und abstracten Philosophen und Philosophinnen machen will/ die von nichts lieber als von tiefsinnigen Wahrheiten schwatzen. Allzu ernsthafte Gespräche möchte ich nicht gern in euren Gesellschaften hören / weil ich nicht immer zu euch komme/ um mit allen Kräften meines Verstandes, über dasjenige/ was ihr mir sagt, nachzudenken; zuweilen könnte ich euch dieses noch wohl verzeihen/ wenn ich grade nicht selbst von den Büchern käme. Aber hauptsächlich besuche ich eure Gesellschaften nur alsdann / wenn ich selbst des Nachdenkens müde bin / wenn ich mich von meinen Geschäften erhöhten und nach verrichteten Pflichten meines Berufs vergnügen will. Und dann verschont mich mit allzu ernsthaften Sachen. Sie sind wider die Absichten/ warum ich eure Gesellschaften besuche.
Aber womit sollen wir dich dann unterhalten? Das will ich euch sagen. Es liegt mir nichts daran, wenn ihr mich auch zuweilen mit Kleinigkeiten unterhaltet. Aber ihr müßt es nur auf eine solche Art thun/ daß ich dadurch vergnügt werde. Dies ist wirklich keine kindische oder unmögliche Forderung. Man hat schon von mir angemerkt/ daß es Kleinigkeiten gäbe, die wichtig würden / und eine Gesellschaft munter und aufgeräumt machten/ nachdem man davon spräche. Und in der That man kann auf eine witzige und scherzhafte Weise von Kleinigkeiten sprechen / die nothwen- dig Vergnügen erwecken muß. Allein dies ist so leicht nicht, als man denkt. Man muß schon eine ziemliche Belesenheit haben und lange mit dem feinern und gesittetern Theile der Welt umgegangen seyn ober von der Natur die Gabe, witzig zu seyn, empfangen haben, wenn man geschickt seyn will, von Kleinigkeiten schön zu reden. Ihr müßt also keine Pedanten seyn. Denn diese verstehen diese Kunst nicht, weil sie sich nie um die Mittel bekümmert haben, wodurch sie allein erlangt wird. Sie haben weder witzige Schriften gelesen, noch ihre Sitten und Denkungsart durch den Umgang feiner und gefälliger gemacht.
Im Vorbeygehen will ich nur den Wunsch thun, daß unsre Gesellschaften weniger von Pedanten wimmeln möchten. Ihr Geschlecht ist viel gröser, als man glaubt. Ihr dürft sie nicht blos unter den Schulleuten suchen. Diese sind manchmal nichts weniger, als Pedanten. Und eben so wenig dürft ihr sie überhaupt nur blos unter den Gelehrten suchen. Es ist wahr, es gicbt theologische, juristische, medicimsche und philosophische Pedanten gnug. Aber es giebt ihrer eben so viel in andern Ständen.
Ssr ES


