Ausgabe 
14.7.1767
 
Einzelbild herunterladen

U4 Gr'effische wöchmelich^ A-Mh^rSytze Att-ekgett

Len dürste? kommen sie und lernen sie diese Frauenzimmrrem;wenig genau- er kennen: vielleicht werden sie ihr Freund auch werden , so wie ich das Glück habe, ihnen nicht gantz gleichgültig zu seyn. Ich stutzte, da ich die Sprache eines Liebhabers zu hören glaubte, und sähe seine Frau, wie ich glaubte, mit einer vielbedeutenden Mine an. Denn sie sagte zu mir: den­ken sie nichts böses, werthester Freund, wenn sie meinen Gemahl so reden hören. Es ist nichts a!s Freundschaft wovon sein Hertz überfiiestt: Es ist keine Liebe. Die beyden Frauenzimmer lächelten, und noch ehe ich mich so viel erholen konnte, selbst zu reden, nahm Gelinde das Wort. Wir sind nichts als gute Freunde, sagte sie, und sie müssen sichs nicht befrem­den lassen, wenn wir ihnen sagen, daß Herr Dorant mit seiner Frau Lieb­ste einen gleichen Antheil an unsrer Vertraulichkeit hat. Wenn sie- un- würcklich, wie unser Freund sagt, genauer kennen werden , so werden sie finden, daß wir uns wechselsweise bemühen, einander das Leben durch eine über die Begriffe gemeiner Seelen weit erhabne Freundschaft zu versüssen. Wollen sie,, rief Doris, welche etwas lebhafter war, mir zu, nicht auch un­ser Freund feyn? Herr Dorant hat uns schon so viel gutes von ihnen ge­sägt, daß wir schon etliche .mahl in die Versuchung gerathen sind, ihn zu ersuchen, daß er sie möchte herbitten lassem Denn sie verdienen an unserm Vergnügen Autheil zu nehmen, und ihr Umgang wird uns dasselbe noch abwechselnder und mannigfaltiger machen. Was daS für gute Kinder sind, dachte ich bey mir selbst. Und wüste noch immer nichts zu sagen. Desto tie­fer aber bückte ich mich. Keim Complimenken, ries Doris, wir lebeq miteinander als Freunde. Auch keine Schnreicheleyen auf unser Ge­schlecht, die müssen sie gantz weglassen, wenn sie unsre Hochachtung be­halten wollen. Endlich war ich so glücklich wieder Worte zu finden, und der gantzen Gesellschaft meine Danckbarkeit vor ihre gütige Anerbietungen, mit einem ungeheuchelten Lobspruch auf ihre vortrefiiche Gesinnungen zu be­zeugen. Ich war aber so bewegt, daß selbst der Ton , womit ich meine Antwort vorbrachte, die innersten Regungen meines Hertzens, und di- plötzliche und unschuldsvolle Freude, die ich empfand, verrieth. Meine Gesellschaft lächelte abermahlen: aber nicht mit der boshaften Mine eines Menschen, welcher sich die Verwirrung eines andern zu nutz macht, son, dern mit der Heiterkeit eines Menschmfreundes, der sich freut, etwas zum Wohl und Vergnügen seines Nebenmenschen beygetragen zu haben. Zu meinem Verdruß kam die Zeit, daß ich diese so ungemein angenehnx Gesellschaft verlassen mußte. Ich nahm Abschied mit den sanftesten Bcwe, gungen