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jetzt nichts ass ein stehendes Wasser ist, das in kurtzer Zeit aus Mangel Der Bewegung unrein und stinckend wird.
Es ist wahr unsre Mannspersonen werden alsdenn die Kunst der Ge- salligkeit sowohl als manche andre nützliche Dinge zuvor lernen müssen, wenn sie, ich will nicht sagen, Frauenzimmer zulFreundinnen haben, sondern nur in ihren Gesellschaften aushalten wellen. Denn die meisten unter ihnen wissen von nichts als von ihren Lieblings- Wissenschaften, und von ihrem Handwerk, Das sie oft nicht einmahl zur Helfte verstehen, zu reden: und es kan nicht fehlen, daß diese nicht eine erbärmliche Figur bep dem Frauenzimmer machen sollten. Aber eben dieses würde ein groser Vdrtheil seyn, wenn tstanche unter ihnen klüger und bescheidner würden, und das ihrige- zu dem allgemeinen Vergnügen der Gesellschaft beytragen kernten. - Vielleicht aber dürften wir, ohne eitel zu seyn, denn wir haben doch bcy den grosen Vorzügen des Frauenzimmers auch wohl in einigen Stücken wiederum Eigenschaften, die ihm fehlen möchten, vielleicht, sage ich, dürsten wir hoffen, das Frauenzimmer aus Dankbarkeit gegen ihre gute Lehren und Beyspiele, auf einige ihnen nicht so gar gewöhnliche Tugenden zu führen.; Sie würden uns vorsichtig, sittsam, munter und aufgeweckt machen, üttd wir würden sie vielleicht an ein gewisses gesetztes Wesen gewöhnen, daß die kleinen Vorurtheile und Eitelkeiten, die ihrem Geschlecht nur allzuoft anhangen, nach und nach ihren Abschied bekamen. Sie würden den vernünftigen Mann von dem hirnlosen Schwätzer und den Schmeichler, der sie durch die Lobeserhebung ihrer Gestalt nur zu hintergehen sucht, von dem wahren Freund, der sie auf den Werth eines guten Verstandes, und eines grosmüthigen, edlen und zärtlichen Her- ßens, durch seine unverstellte Lobsprüche, die er ihnen zuweilen ertheilen würde, aufmerksam zu machen sucht, unterscheiden Urnen. Und welche glückliche Zeiten würden dieses seyn, und wie weit würde diese Verbeffe- furig beyder Geschlechter ihren gesegneten Einfluß in den Ehestand , in die Erziehung der Kinder, ja so gar bis in das hohe Alter verbreiten! Eme Verbesserung, welche wir blos von der Freundschaft und der größern Vertraulichkeit eines Geschlechts gegen das andre hoffen dürfen 1
Diese Gedancken hatte ich, als ich das Hauß meines FreundesDo- rantens mit einer noch nie empfundenen stillen Freude verlassen hatte. Au- ser seiner liebenswürdigen Gattin hatte ich ein Paar von Dorantens Freundinnen, denn so kann ich sie in der That nennen, daselbst angetroffen. Komm sie/ rief Dorant, dessen Freund zu seyn ich mir schon lange Zeit schmeich-


