Ausgabe 
13.10.1767
 
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SttV Nachrichten. >if

'Maritaten Lasten, die jedermann mit Vergnügen gelesen hak, in ihrem letzten Blatte nicht fortgesetzt haben. Ich vermutbe immer, das schlimme Wetter muß Sie abgehalten haben, auf den Markt zu gehen, obgleich einer von denen, die bey mir waren, seinen Kopf zum Pfände setzen woll­te , daß er sie in einem Roauelaure gesehen hätte. Denn Sie müssen wis­sen, daß ich, trotz dem Regenwetter, mit einigen guten Freunden auf Dem Markt gewesen bin, und mich bey allen Leuten, die Kästen auf dem Rü­cken trugen, erkundigt habe, ob sie moralische Raritäten feil hätten. Aller meiner Mühe aber, die ich anwendete, ungeachtet, konnte ich ihren Sa­voyarden nicht ausfindig machen. Inzwischen war ich doch so verlegen darüber, daß ich mich beynahe entschlossen hätte, ihn auskrommlen zu lassen.

Was die Sache selbst betrifft, Mein Herr, so wünschte ich, daß dergleichen^moralische Raritäten Kasten allgemeiner wären, und daß man in jedem Staate gewisse Personen auswählte, die sie besonders an die­jenige Oerter tragen müßten, wo sich viel Volcks zu versammlest pfiegt. Diejenigen Leute aber die sich mit dem Herumtragen die­ser Raritäten Kasten beschäftigten, müßte man privilegiren und ihnen allerhand Rechte zu gestehen, deren sie in einem andern Stand nicht ge-, niesen konnten. Worin diese Privilegia eigentlich bestehen müßten, davon konnte ich noch viel sagen. Ich will nur noch dieses anmerken, daß diese Kasten, wenn sie wohl eingerichtet wären, die Stelle einer Comödie ver­treten könnten, worin das Laster abscheulich und die Tugend liebenswür­dig vorgestellt würde. Hieraus läßt sich schon einigermasen begreifen, wie gros die Vortheile seyn müßten, die man dadurch dem Staate zu wege bringen könnte.

Wenn nun dieser Vorschlag genehmigt und in unsern Gegenden aus­geführt werden sollte: so ersuchte ich Sie, Mein Herr, um ihr vielgelten­des Vorwort und um die Gewogenheit, mich an gehörigen Orten als ein tüchtiges und mit starken Schultern und festen Waden versehenes Subie- dum, zu einem Raritäten-Kasten Träger zu empselen, oder, welches noch besser wäre, mich zum Oberaufseher über alle Raritäten-Kasten Träger in meines Herrn Land vorzuschlagen, der nur allein das Recht hätte, die Erlaubnis, Raritäten - Kasten zu tragen, zu ertheilen. Ich wollte Ihnen gut dafür seyn, daß alsdenn kein untaugliches Subie&um zu diesem wich- kigen Geschäfte erwählt werben foHto, ja, daß man alsdenn vielleicht Leu. te mit rXaritäten« Kasten herum gehen sehen sollte., an die ein andrer gewis nicht gedacht hätte. Einer von meinen nächsten Anverwandten, der sich

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