Ausgabe 
13.10.1767
 
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MM.-

IM- Gieststhe wöchentliche §emel'ttnstzi§e Anzeiger»

auf eine grobe, auf eine subtile und auf die allerfeinste Art bestechen) und so viel ich mich erinnere, jener Schriftsteller vergessen hat. Man verkauft demjenigen, dem man ein Geschenk machen will, allerlei) Dinge um einen geringen Preiß; so isteS eben so gut, als wenn man ihm das übrige an dem Werth baar geschenkt hätte. Zum Exempel, ein Handelsmann, des­sen Waaren geschätzt werden muffen, muß nur demjenigen, der dieses Amt hat, die besten Stücke um einen sehr wohlfeilen Preiß zukommen las­sen; so findet sich der Vortheil wieder bey der nächsten Schätzung, welche aus Dankbarkeit um so viel höher ausfallen wird, und alle andre, welche sich über Theurung beschweren, werden mit allen ihren Klagen wenig aus­richten , weil derjenige, der es ändern kann, gar nicht zu klagen Ursache IjflL

Dieser Kunstgriff lasst sich weiter auseinander wickesn und nach den Umständen einrichten. Heute fordert, zum Exempel, derjenige, den man bestechen will , für ein bestimmtes Geld, Maare: man schicke ihm nur getrost noch so viel, als man andern Leuten für dieses Geld zu geben pflegt. Auf ein andermal verkaufe man ihm die Sache gerade um den Preiß, den sie uns selbst gekostet hat, ohne Den geringsten Profit zu nehmen. Ein Stück Wein, das durch das Alter und Die Jahre, Die es gelegen hat, Drei) hundeet Thaler werth ist, gebe man ihm zur Freundschaft für zwei­hundert Thaler, weil es uns im Ankauf nicht mehr gekostet hat, und so ferner; so wird ihm niemand, da es einem jeden frei; stehet, seine Maare zu verkaufen, wie er will, darüber Vorwürfe machen können.

Ich bemerke nur noch zwey Stücke. Erstlich, daß man nickt gera­de ein Handelsmann seyn müsse, um diese Maxime in Ausübung zu brin­gen. Es ist schon genug, wenn man sich die Sachen, von denen man erfahren hat, daß sie der andre, den man bestechen will, gerne haben möch­te, vorher selbst kaust, und hernach vorgiebt, daß man sie schon lange besessen, und ehemals in Den wohlfeilen Zeiten, oder durch eine unvermu- thete Gelegenheit in einem sehr billigen Preise gekauft habe. Und zum an­dern, woher es komme, daß so viele Leute alles, was sie kaufen , besser und wohlfeiler kaufen können, als andre. Ihre Geschicklichkeit trägt hier- zu nichts bey; sondern das Amt und das Ansehen, darinnen sie stehen.

Mein Herr!

_ JA muß es gestehen, daß ich sehr begierig bin, zu wissen , warum

sie rhr Versprechen nicht erfüllt und die Nachrichten von dem moralischen

Ran-