Ausgabe 
9.6.1767
 
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«78 Gr'effrsthi w-chtMich♦ gtmdnnteige Anzeiger»

atS ein vernünftiges zur Ewigkeit!berufnes Geschöpfe zu handeln verbunden ist. In dieser Situation muß man den Menschen lassen, man muß ihm nichts jumuthen, das seinen natürlichen Trieben zur Vollkommenheit zu­wider lauft, oder das er als Mensch nicht leisten kann; mgn muß sich dey jedem Unterrichte auf der Kanzel die Denkungsart und die allgemeinen Empfindungen des Menschen deutlich vorstellen und sie in seinen jedesmali­gen Vortrag gleichsam einzufiechten suchen. Mit einem Worte, man muß subjectivisch predigen, wenn man erbaulich predigen will, das heißt, man muß die Gründe, wodurch der Mensch zur Ausübung einer Pflicht oder einer Tugend bewegt werden soll, nicht bloß aus dem -Object der Sache, nicht blos aus der innern Beschaffenheit der Wahrheit, die abgehandelt wird, hernehmen; denn diese Methode sollte nur in die Lehrbücher eingeschränckt ftyn, für die Kanzel schickt sie sich nicht, weil nur der Verstand und nicht der Wille des Menschen dadurch erbauet und gebessert wird. Sondern die Bewegungsgründe zur Erfüllung einer Pflicht müssen hauptjachlrch und größtentheils aus der Denkungsart des Menschen, aus dem besonderen-In- tereffe, das er bey der Erfüllung dieser Pflicht in den Augen hat, hergenom­men werden, z. E. wenn ich jemand von der Schuldigkeit, GOet zu lie­ben, überzeugen wollte; so würde ich ihn sehr wenig erbauen und vielleicht würde sein Herz ganz kalt dabey bleiben, wenn ich die Bewegungsgründe Zu dieser Pflicht aus dem Object der Sache herleNen und wsitiause-g be­weisen wollte, daß GOtt seiner unendlichen Vollkommenheiten wegen auf alle mögliche weise geliebt zu werden verdiene. Er würde mich vielleicht anhören, er würde glauben, daß ich Recht hätte, aber ich würde ihn im eigentlichen Verstände nicht bewegen, dieser Pflicht nachzuleben. Sondern wenn ich diese Absichten bey ihm erreichen will; so muß ich ihn auf |em eig­nes Interesse bey der Erfüllung dieser Schuldigkeit zurücksühren, ich muß ihm zeigen, daß es sein eigner Vortheil fey, wenn er GOtt liebe, daß er sich dadurch selbst glücklich mache, daß die Erfüllung dreier Pflicht einen grosen Einfluß auf seine Zufriedenheit und auf seine Gemüths-Ruhe und überhaupt auf alle Geschäften und Angelegenheiten seines Lebens habe. Ich muß ihm die Gefahr zeigen, in welcher er steht, wenn er diese Pflicht ver­säumt u. d. m. Durch diese subjectivische Lehrart vermeidet man das Trockne, das in so vielen Predigten herrscht und das alle Erbauung verhin­dert. Durch sie wird dem Zuhörer die Religion erst recht interessant. Er wird überzeugt, daß sie auf das allergenaueste mit den Geschälten und den Bestimmungen unsers Lebens verbunden ist, und daß sie alle unste Hand­

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