MWM wöchentlich- gmcimiüMe MMy uu6 Mchrichlcn Drcy und Zwanzigstes Stück.
Dienstags den -een Junü 1767.
Mtt Hochfürftl. Hessen- Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis.
F-rrfttzung der Gedanken über einige sehr gemeine Fehler ger'stlr'F cher Redner»
^W^iner von den vornehmsten Kunstgriffen, wodurch ein geistlicher Red- ner die Erbauungchefördern kann, bestehet darin, daß er jedes- mahl wohl überlegt, wie genau die vorzutragende Wahrheit mit der zeitlichen und ewigen Glückseligkeit des Menschen verbunden und wie gros ihr Einfluß auf das ganze Interesse desselben sey. Durch diese Ueber- tegung wird er erst recht ge,chickt, sich in die Situation und Denkungsart seiner Zuhörer ganz hinein zu setzen, welches nothwendig geschehen muß, wenn sein Vortrag simpel seyn, nicht fruchtlos bleiben, der Verstand der Zuhörer nicht leer und der Wille nicht ungebessert gelassen werden soll und wenn er in der Wahl der Ausdrücke keine grobe Fehler begehen will. Ja den wenigsten Predigten aber sieht man, daß sich ihre Verfasser in diese so nöthige Situation gesetzt haben; die meisten geben vielmehr zu erkennen, daß sie nicht einmal gewußt haben, wie der Mensch als Mensch, zu denken und zu handeln gewohnt sey und daß der Mensch auch alsdann noch Mensch bleibe, wenn er ein Christ ist, das ist, daß der Mensch auch als Christ nach eben den Trieben und Grundsätzen handeln müsse, wornach er
D als


