9-0 Giestsche wöcbemll'ch- gemerttttützige Anzeigen
wechseln können? Entscheiden Sie selbst, gnädiges Fräulein.
i Doch ich will noch strenger sepn. Ich will sogar zugeben , baß eS mmer noch gefährlich für ein Frauenzimmer sch., mit einem solchen Jünglinge heimlich zu correspondiren. Wie aber, wenn eine solche Correspon- denz selbst unter den Augen der Eltern oder .der nächsten Anverwandten geführt würde; sollte sie wohl alsdann immer noch der Ehre oder der Tu- Md einesFrauenzimmers schädlich seyn können? Daran zweifle ich doch sehr. Denn welche Eltern würden wohl ihrer Tochter erlauben, mit einem Menschen Briefe zu wechseln, worin nur ein einziger Ausdruck stünde, welcher der Tugend derselben gefährlich seyn könnte? Welcher rechtschafne Jüngling würde sich aber auch unterstehen, an ein Frauenzimmer irgend etwas zu schreiben, das den Sitten der Tugend und der Hochachtung , womit er ihm begegnen muß, zuwider wäre, vornehmlich wenn er weis, daß seine Briefe jederzeit von den Eltern desselben gelesen werden?
Wenn mich also ein junges Frauenzimmer fragte, ob es ohne Gefahr einer Schande mit einem Jünglinge Briefe wechseln könnte; so würde ich ihm sagen; ja mein gutes Kind, das können Sie immer thun. Damit sie aber für allen nachtheiligen Folgen, sicher seyn. mögen ; so erlauben (Sie mir, Ihnen zugleich den Rath zu geben, sich mit keinen! jungen Herrn in eine Correspondenz einzülaffen, wenn sie nicht vorher von der "Verschwiegenheit, Rechtschaffenheit und wahrhaftig edlen Denkungsart: desselben unleugbare Proben haben, und wenn er sich nicht die Bedingung will gefallen lassen, mit Ihnen unter den Augen Ihrer Eltern zu corre- svondiren. Diesen Rath würde ich meinem Frauenzimmer geben. Und glauben Sie nicht auch, gnädiges Fräulein, daß dieser Rath der beste und sicherste sey. Ich bin wenigstens eben so sehr überzeugt, daß nach diesem Vorschlag ein Briefwechsel zwischen unverheyrathcten Personen beyderlcy Geschlechts auf eine sehr unschuldige Art könnte geführt werden , als ich überzeugt bin, daß er so wohl auf Seiten des Frauenzimmers als der Mannsperson von mannigfaltigem Nutzen sehn würde, besonders wenn das Frauenzimmer Lust hat, sein Herz und seinen Geschmack zu verbessern und die Mannsperson nicht ganz ungeschickt ist, 'etwas zu dieser Verbesserung beyzutragen. Deswegen sagt auch Richardson/ dieser gesegnete Prediger der Tugend': „ Ein frühzeitiger Briefwechsel öffnet und bessert. „ das Herz einer Mannsperson oder eines Frauenzimmers mehr, als ir*
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