Ausgabe 
8.12.1767
 
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ter meinem Geschlecht viele Personen giebt, die die Verschwiegenheit eben nicht für eine nothwendige Tugend halten, die allzu wenig für die zärtli­che Ehre ihrer Correspondent.innen besorgt sind, die sich vielleicht mit den Briefen derselben in allen Gesellschaften groS machen, und diese Briefe wohl gar jedermann vorlesen; wenn ich dieses alles bedenke , so scheint eS mir sreylich für ein Frauenzimmer sehr gefährlich zu seyn, mit einer Manns­person einen Briefwechsel zu unterhalten. Sein Ruf und seine Ebre kann dadurch sehr b^flekt werden. Und wie besorgt ein junges Frauenzimmer um die Erhaltung seiner Ehre und seines guten Namens bey allen Vorfällen seines Lebens seyn müsse, das wissen mein gnädiges Fraulein besser , alS ich es Ihnen sagen kann. Wenn ich also den Briefwechsel zwischen ledi­gen Perionen beyderley Geschlechts aus diesem Gesichtkpunct'betrachte; so muß ich freilich jedes rechtschafne Frauenzimmer eben so sehr dafür war­nen, als ich es für jeder Gelegenheit warnen muß, wo ihre Tugend en Gefahr gesetzt werden kann. Dies mag vielleicht auch die Ursache seyn , warum die vortreßiche und kluge Verfasserin der Frauenzimmer - Schule einer jeden von ihren Schülerinnen die Lehre giebt. -von keinem jungen Herrn Briefe anzunchmen , und wenn er auch so schon als Gel- lere schriebe. Die Regel hat ihren guten Grund und ich bin selbstüber­zeugt, daß ein Frauenzimmer in diesem Stücke nicht klug und vorsichtig gnug seyn kann. '

Aber was meinen Sie, gnädiges Fräulein, sollte diese KlugheitS Regel nicht em wenig allzu strenge seyn? Sollte es unter gewissen Um­ständen einem Frauenzimmer nicht erlaubt seyn, an einen jungen Herrn zu­weilen Briefe zu schreiben oder doch wenigstens welche von ihm anzuneh­men ? Ich sollte es doch denken. Denn ich wüßte nicht, was ein Frauen­zimmer von einem Briefwechsel zu befürchten hätte, den es mit einem Menlchen führt, dessen Ehrliebe allgemein bekannt und von dessen recht­schaffnen und edelmüthigen Gesinnungen jedermann überzeugt ist. Glauben Sie mir, gnädiges Fräulein, es giebt noch Jünglinge die allzu gewissen­hafte Seelen haben, als daß sie die Ehre und die Tugend eines Frauen­zimmers nur in irgend einem Stücke beleidigen sollten, und vielleicht giebt es noch Jünglinge, die Grandrsone seyn würden, wenn ihnen andre Um­stande und Gelegenheiten günstig genug wären, Beweise von einer Den­kungsartabzulegen, die-eines Grandisorrs gewis nicht unwürdig gewesen wäre. Sollte ein Frauenzimmer, ohne den geringsten Schaden an seiner Cbre zu leiden, mit einem solchen edeldenkenden Jüngling nicht Briefe

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