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ter meinem Geschlecht viele Personen giebt, die die Verschwiegenheit eben nicht für eine nothwendige Tugend halten, die allzu wenig für die zärtliche Ehre ihrer Correspondent.innen besorgt sind, die sich vielleicht mit den Briefen derselben in allen Gesellschaften groS machen, und diese Briefe wohl gar jedermann vorlesen; wenn ich dieses alles bedenke , so scheint eS mir sreylich für ein Frauenzimmer sehr gefährlich zu seyn, mit einer Mannsperson einen Briefwechsel zu unterhalten. Sein Ruf und seine Ebre kann dadurch sehr b^flekt werden. Und wie besorgt ein junges Frauenzimmer um die Erhaltung seiner Ehre und seines guten Namens bey allen Vorfällen seines Lebens seyn müsse, das wissen mein gnädiges Fraulein besser , alS ich es Ihnen sagen kann. Wenn ich also den Briefwechsel zwischen ledigen Perionen beyderley Geschlechts aus diesem Gesichtkpunct'betrachte; so muß ich freilich jedes rechtschafne Frauenzimmer eben so sehr dafür warnen, als ich es für jeder Gelegenheit warnen muß, wo ihre Tugend en Gefahr gesetzt werden kann. Dies mag vielleicht auch die Ursache seyn , warum die vortreßiche und kluge Verfasserin der Frauenzimmer - Schule einer jeden von ihren Schülerinnen die Lehre giebt. -von keinem jungen Herrn Briefe anzunchmen , und wenn er auch so schon als Gel- lere schriebe. Die Regel hat ihren guten Grund und ich bin selbstüberzeugt, daß ein Frauenzimmer in diesem Stücke nicht klug und vorsichtig gnug seyn kann. '
Aber was meinen Sie, gnädiges Fräulein, sollte diese KlugheitS Regel nicht em wenig allzu strenge seyn? Sollte es unter gewissen Umständen einem Frauenzimmer nicht erlaubt seyn, an einen jungen Herrn zuweilen Briefe zu schreiben oder doch wenigstens welche von ihm anzunehmen ? Ich sollte es doch denken. Denn ich wüßte nicht, was ein Frauenzimmer von einem Briefwechsel zu befürchten hätte, den es mit einem Menlchen führt, dessen Ehrliebe allgemein bekannt und von dessen rechtschaffnen und edelmüthigen Gesinnungen jedermann überzeugt ist. Glauben Sie mir, gnädiges Fräulein, es giebt noch Jünglinge die allzu gewissenhafte Seelen haben, als daß sie die Ehre und die Tugend eines Frauenzimmers nur in irgend einem Stücke beleidigen sollten, und vielleicht giebt es noch Jünglinge, die Grandrsone seyn würden, wenn ihnen andre Umstande und Gelegenheiten günstig genug wären, Beweise von einer Denkungsartabzulegen, die-eines Grandisorrs gewis nicht unwürdig gewesen wäre. Sollte ein Frauenzimmer, ohne den geringsten Schaden an seiner Cbre zu leiden, mit einem solchen edeldenkenden Jüngling nicht Briefe
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