Ausgabe 
7.7.1767
 
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dauerhaft sieben , die noch nicht einmal Freunde gewesen sind? Eine solche riebe. Die auf eine lange Erfahrung und eine genaue Kentniß desHertzenS und andrer rühmlichen Eigenschaften ihres Gegenstandes gegründet ist, würde ohne Zweifel viel beständiger seyn, als die plötzlichen Einfälle junger Leute, welche sich einander zu heurathen entschliessen, weil sie sich, den äusserlichen Umständen nach zu urtheilen, denn ihre Einsichten gehn nicht leicht weiter, für einander zu schicken scheinen. Leute dieser Gattung bilden sich ein, in einander verliebt zu seyn: aber sie sind in der That oft nicht- weniger. Und wenn sie es auch sind, so wären doch nichts als Kleinig­keiten, ein rundes und blühendes Gesicht, ein paar lebhafte Augen, eins volle und weiche Hand, ein kleiner netter Fuß, die Quelle ihrer Entschlie­ßungen. Allein alle diese Vorzüge, die ihren Augen anfänglich wichtig ge­schienen haben, verlithren ihren Werth nach und nach durch die Gewohnheit einander zu besitzen. Beyde Verliebte werden, weil sie sich auS Mangel M Geistes und eines Herzens, das zu seinen Empfindungen gewöhnt ist, nicht mehr unterhalten können, einander müde, hierauf kaltsinnig, und endlich im höchsten Grade misvergnügt. Ihre Liebe ist tMJReuer einer Luster- scheinung, welche plötzlich entsteht, die Zuschauer in Verwunderung setzt, aber in einer unglaublichen Geschwindigkeit durch den Horizont streicht, zerplatzt und vergeht.

Wenn die eine von beyden Personen verheurathet ist, so wird man sich die Gefahr noch viel gröser einbilden. Es ist nicht gantz unmöglich, daß eine solche Freundschaft nicht nach und nach in eine strafbare Neigung ausarten könte. Aber wenn es ausgemacht ist, daß keine wahre Freundschaft anderst als unter Tugendhaften statt haben kann, was ist denn gefährliches zu besorgen? Die edle Gesinnungen welche in dem Herzen beyder Personen herrschen, werden Den ersten verbotenen Gedancken jederzeit sogleich in der Asche ersticken. Vielleicht möchte wohl zuweilen eine Bewegung des Ge- müths entstehen, die, wenn man ihr weiter nachgehen wollte, zu gefährli­chen Ausbrüchen verleiten könnte: denn wir bleiben auch mitten unter nn- fcrn tugendhaften Handlungen noch immer Menschen. Allein die Fertig­keit welche der Tugendhafte besitzt, dergleichen Regungen, die ihm auch in Absicht auf viele andre Gegenstände aufsteigen können , sogleich zu unter­drücken, wird ihn für aller Gefahr sicher fetzen. Man muffe aus der Welt gehen, wenn man alle Reitzungen und Gelegenheiten zu bösen Gedancken vermeiden wollte: ja es ist fein Zweifel, da unser eignes Hertz die meiste Zeit unser Verführer ist, daß uns diese selbst bis in die abgelegenste Emo*

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