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noch niemand sich das Hertz genommen hat , dasselbe'zu bestreiten. Man sicht kaum zwey unverheurathcte Personen ein wenig vertrauter mit- einander reden, als es nach unferm steiffen und gedanckenlosen CeremonieL gewöhnlich ist, so schließt man auch ohne weiteren .Beweis, daß dieselbe in einander verliebt sind. Haben diejenige, welche dieses bemerckt haben, nur ein wenig Fähigkeit zu muthmasen, so werden sie noch überdies hundert Gründe entdecken, aus welchen sie eine gantz nahe Heurath provhe- zeyen, und so viel an ihnen ist, auch sogleich ausbreiten. Ist eine Person ledig und die andre verheurathet, oder sind sie, wenn sie beyde verheura- thet sind, nm nicht gerade Mann und Frau, so geht der. Verdacht in einem Augenblick noch viel weiter. Man sagt sich heimlich in das Ohr, daß sich diese Leute sehr wohl mit einander verstehen, und in km-tzer 8eie halten auch diejenige- welche sonst in ihren Urkheiien eben nicht gerad iieb- looß sind, aber durch dieses allgemeine Voturtheil dahin gerissen werden, einen solchen Umgang für die Folge einer verbotnen Neigung.
Ist es dann nicht möglich daß zwey Personen von unterfchiednem Geschlecht Freunde seyn können, ohne einander in dem eigentlichen Verstand zu lieben ? Warum sollte ich nicht eine vertraute an einem Frauenzimmer haben können, dessen tugendhafte Gesinnungen, edles und zärtliches Hertz, richtige Einsichten /'feinen und lebhaften Witz ich durch einen langen Umgang Gelegenheit bekommen habe,oft genug zu bewundern? Warum sollte ich mich mit ihr nicht von allerlei) Vorfällen ohne die geringste Zurückhal-.- tung besprechen, und ihre Gesellschaft mit eben der Begierde und dem Vergnügen suchen dürfen, mit welchem ich in die Arme eines getreuen gram» des eile? Was fordert man mehr von einem Freunde? Und wenn ich alle diese Eigenschaften bey einem Frauenzimmer finde, warum sollte ich mir nicht Mühe geben, daß sie mich würdigte, meine Freundin zu werden? Ich sehe nicht was der Unterschied des Geschlechts hier vor eine Hindernis sinn könnte.
Aber es könnte doch leicht aus einer solchen Freundschaft eine eigentliche und wahre Liebe entstehen? Der Schritt von einer solchen Freundschaft zur Liebe ist so gar gros nicht. Und wie? wenn beyde Personen noch ledig wären ?- Aber wäre es denn ein Unglück, wenn aus dem Freund ein Liebhaber würde? Könnten nicht tausend unglückliche Ehcn vermieden werden, wenn man, ehe man lieben wollte, zuvor einen Versuch mit der Freundschaft machte? Eine wahre und vernünftige Liebe ist nichts anders als eine Lreundschast in einem hohen Grade: und wie können zwey Personen sich dauerhaft


