Ausgabe 
3.11.1767
 
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und Nachrichten. -fr

ten sprechen und bmn urtheilen. Ihr könnt sie wider ihre Verächter vertheidigen. Ihr könnt ihren grosen Nutzen beynahe in allen Geschäften des menschlichen Lebens und ihren unläugbaren Einfluß in die Denkungsart des Menschen oder in die Verschönerung sowohl seines Herzens als seines Verstandes zeigen. Ihr könnt euch von dem guten Geschmack in der Dichtkunst, Redekunst, Malerey und dergleichen unterhalten. Ihr könnt euch vorzüglich schöne Stellen aus einem Dichter oder aus sonst-einem schönen Buche vorlesen, könnt darüber urtheilen , die Schönheiten darin zeigen und bey andern zur Bildung und Verbesserung des Geschmacks etwas beytragen. Ihr könnt von Romanen sprechen, ihr könnt sagen, welche euch vorzüglich gefallen haben, ihr könnt untersuchen, in wie fern man sich mit dem Lesen der Romanen abgeben könne und weiche Roma­nen eigentlich gelesen zu werden verdienen. Alle diese Gespräche sind von mannigfaltigem Nutzen und erwecken ein allgemeines Vergnügen.

Zu den anmuthigsten unö nützlichsten Unterhaltungen zähle ich auch die Gespräche von der wahren Freundschaft und einer vernünftigen Liebe. Ich will meinen Landsleuten hiermit nicht den Rath geben, als wenn sie jeder Person in der Gesellschaft sogleich ihre Freundschaft und Liebe anbieten sollten. Das ist meine Absicht nicht. Ich wünsche vielmehr, daß man mit dergleichen Anträgen ein wenig zurückhaltender seyn möchte, als man gemeiniglich damit' zu seyn pflegt. Denn ich halte nichts auf die Freund­schafts und Liebes'Erklärungen, die bey der ersten Bekanntschaft mit einer Person geschehen. Wenn man sich nicht tausend höchst betrübten Folgen aussetzen will; so muß man erst lange sorgfältige Prüfungen anstellen, ehe man dergleichen Erklärungen wagt. Sondern ich will nur so viel sagen, ihr könnt in euren Gesellschaften von der Freundschaft und der Liebe reden, in so fern sie überhaupt unter die wichtigsten Angelegenheiten des mensch­lichen Lebens gehören, und in so fern von der Bestimmung ihres Wesens und ihres wahren Werths auf eine vergnügende und nützliche Weise kann geredet werden. Ihr könnt also überhaupt von den Vortheilen und dem Glücke einer treuen Freundschaft und einer vernünftigen und tugendhaften Liebe sprechen. Ihr könnt euch von den Eigenschaften eines wahren Freun­des oder Liebhabers unterhalten. Ihr könnt von dem vernünftigen oder unvernünftigen Betragen der Eheleute reden und bald durch euren Beyfall,' bald durch euren Tadel und Abscheu lehrreich werden. Ihr könnt Bey- spieke von edelgesinnten, uneigennützigen und beständigen Freunden und von treuen und zärtlichen Gatten anführen. Durch solche Gespräche können

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