Ausgabe 
3.11.1767
 
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z sL Giessische wSchMtlich - gemekttnStzige Anzeigen alle Gesellschaften aufmerksam gemacht werden. Man kann dadurch ge­meinnützig werden und zur Vorsichtigkeit, zur Besserung der Denkungsart oder zur künftigen Glückseeligkeit eines jeden Anwesenden vieles beytragen, als worauf alle unsre Gespräche in Gesellschaften vornehmlich abzielen sollten.

Da ich eben gesagt habe, man könnte von Beyspielen der Freund­schaft und Liebe reden; so muß ich noch erinnern, daß dieses ebenfalls von allen tugendhaften Handlungen ohne Unterschied geschehen könnte. Ich glaube nicht, daß man sich auf eine nützlichere und zugleich angenehmere Art unterhalten kan, als eben mit solchen Beyfpielen tugendhafter Handlun­gen. Wenn ihr wißt, daß jemand eine tapfere, eine edle und grosmüthige That verrichtet hat, daß er mäsig, gütig, leutseelig, und sanftmüthig, barmherzig und ein Menschenfreund gewesen ist, baß er Rechtschaffenheit und ein gutes Herz belohnt hat, daß er standhaft unter den Leiden für die Gerechtigkeit und Wahrheit, oder tugendhaft unter den größten Versu­chungen und Drohungen geblieben, daß er ein treuer Unterthan, ein un-. uneigennütziger Patriot und dergleichen gewesen ist; wenn ihr solche Nach­richten wisst, sie mögen von armen oder reichen, von hohen oder niedrigen Personen, sie mögen aus diesem oder einem andern Jahrhundert seyn; so verschweiget sie nicht. Erzählet sie in den größten Gesellschaften. Sie ver­dienen allgemeiner bekannt gemacht zu werden und ihr könnt eure'Gesell- schafter von keiner interessanteren Materie unterhalten. Durch sie wird Weisheit und Tugend gelehrt, liebenswürdiger gemacht und weiter fortge- * pflanzt. Nur ewig Schade, daß man bisher so wenig von dergleichen Dingen in unfern Gesellschaften hat reden hören. Vielleicht fehlt es uns noch an vornehmen und angesehenen Leuten, die andern durch ihr Bepspicl den Mund dazu öfnen, so ungefähr, wie jener Churfürst bey der Krönung eines gewissen Kaisers, der eben nicht so gar viel gute Freunde mag ge­habthaben, die stillschweigenden Zuschauer durch die Worte: Ey will tzenn kein Mensch vwae rufen: zu einem lauten vivat bewog.

Hierher gehören auch die anmuthigen und lehrreichen Anecdoten oder geheime Nachrichten von grosen und berühmten Leuten, die witzigen und sinnreichen Einfälle, besondere und löbliche Gewohnheiten solcher Leute und andre dergleichen Dinge. Man hat viele gedruckte Sammlungen davon, worin« man sich Raths erhöhten kann, und welche man aus keiner andern Absicht öffentlich bekanntgemacht hat, als um den Leser dadurch zu vergnü­gen und zu unterrichten, und zu lehrreichen Unterhaltungen in Gesellschaf­ten Stoff an die Hand zu geben. - ü - Die Fortsetzung folgt.

Aver-