Ausgabe 
3.11.1767
 
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und Nachrichten. 349

flüßigr und unnütze Dinge fragen, denn dadurch wird nicht allein der Ge- fragte in den Verdacht gesetzt, als wenn sein Verstand allzu gering wä­re , als daß man wichtigere Fragen an ihn thun könnte; sondern ihr selbst verrathet auch dadurch einen sehr kindischen Verstand. Ich wünschte, daß dieses die ewigen Frager wohl bedenken möchten, die die geringsten Kieinigkci- ten durch Fragen von einem herauslocken wollen. Ich glaube nicht, daß einem vernünftigen Menschen, der nur eine mittelmasige Einsicht hat, et­was unangenehmer seyn kann, als wenn er einfältige und kindische Fragen unaufhörlich beantworten zsoll. Fragt also nur solche Dinge, woran wenigstens dem Gefragten etwas gelegen ist, wenn er mit euch nicht lächer­lich werden soll.

Unter die anmuthigen Materien zu Gesprächen in Gesellschaften kann man auch die besondern und eignen Gebräuche einer Stadt oder eines Lan­des rechnen. Man hat Gelegenheiten Lenug, auf diese vergnügende und lehrreiche Materien zu kommen. Bald können euch die Gewohnheiten des Orts, worinn.chr lebt, bald ein Fremder, der sie wahrgenommen hat, bald Umstands, die heute oder gestern vorgefallen sind, und bald andre Dinge darauf führen. Dies kann also Stoff genug zu unterhaltenden Ge­sprächen abgeben. Ganz natürlicher weise können euch diese hernach auf die Sitten und Vorurtheile eurer Landsleute, auf die Liebe zu denselben, auf die Veränderungen, die sie erlitten, auf die Umstände, die diese Verän­derungen veranlaßt, auf die Zeit, wenn die Einwohner des Orts fremde Sitten mit den einheimischen vermischt haben, und auf diejenige Leute füh­ren, die die Liebe zum Einheimischen übertreiben und sich dadurch lächerlich machen, oder wenigstens eine Schwäche des Verstands verrathen. Ihr könnt daraus auch Vergleichungen anstellen zwischen den Sitten und Ge­wohnheiten dieses Orts und zwischen denen an einem andern Orte. Ihr könnt untersuchen, ob diese oder jene Gewohnheiten und Gebräuche ver­nünftig seyen oder nicht. Und wie nützlich und angenehm könntet ihr euch nicht von den Charakteren ganzer Nationen , von dem Nationalcharakter der Deutschen, der Franzosen, der Engländer, Italiener, Spanier, und dergleichen unterhalten! Um euch geschickt zu machen, vornehmlich von die­ser letzten Materie schön und gut zu reden, so leset und studirt fleisig bas vortrefiiche Buch vom National-Stolz.

Die Erzählungen aus den öffentlichen Zeitungen könnten cbenfals zu ei­ner lehrreichen und vergnügenden Unterhaltung vieles beytragen, wenn ich mir, wegen Der vielen politischen Kannengieser, getrauete, sie zu diesem End-

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