Ausgabe 
3.11.1767
 
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z48 Gr'essische wöchentlich gemeinnützige Anzeigen

sen wolltem Von dieser Verlegenheit könnt ihr euch beynahe nur allein mit Fragen befreien. Erkundigt euch bey ihnen nach Dingen, womit sie sich täglich beschäftigen und die sich zu ihren Einsichten und Neigungen zu schicken scheinen. Sie werden auf eure Fragen antworten und euch dadurch Stoff genug geben, mit ihnen nach ihren Fähigkeiten und Lieblingsbeschäf­tigungen zu reden. Fragt zum Exempel, dieses Frauenzimmer nach dem Wohlergehen der ihrigen, von einem andern Frauenzimmer laßt euch von ökonomischen Dingen, von der guten Einrichtung einer Haushaltung und von andern dergleichen Dingen mehr Nachricht geben. Wenn ihr nur ei­ne Zeitlang davon mit ihr gesprochen habt; so könnt ihr ohne Gefahr, daß man es euch übel nehmen werde, von diesen Gesprächen abbrechen und von andern Dmgrn zu reden anfangen.

Hieraus aber fliesen noch einige Regeln, die bey den Fragen wohl zu merken sind. Einmal müßt ihr keine Fragen thun, die einen Vorwitz an­zeigen, oder den andern beschimpfen und beleidigen können. Ihr würdet euch dadurch bey jedem Vernünftigen verhaßt machen und in der ganzen Gesellschaft Verwirrung und Misvergnügen erwecken. Mit einem Wort, ihr müßt sehr klug und vorsichtig bey euren Fragen seyn. Dies erfordert denn auch zweytens, daß ihr keine andere Dinge fragt, als wovon ihr glau­ben könnt, daß sie der Gefragte versiehe und beantworten könne, damit er nicht Über euren Fragen vcrdrüslich wird und sich seiner Unwissenheit schä­men muß. * Drittens müßt ihr aber auch keine gar zu läppische, über- flüßige

* pluearch, dieser vortrefiiche Schriftsteller des Alterthums, hat es ebenfals eingesehen daß dergleichen Fragen bey freundschaftUchen Zusammenkünften ganz unschicklich feyen. Ich will seine eigne Gedanken hierher fetzen. Er sagtun- ter andern in dem Capitel: Num philofophari conueniat inter pocula, folgendes: In Conuiuio agitari conuenit quaeßiones mitiores. problemata famtliaria, interrogatio- nes iucundas, non captiojas ac lubricas, quibus rudiores illaqueentur . aut quas autrfati fuffagiant ac declinent Quemadmodum autem in conuiuio per choreas ac tripudia mo- veri combibones legibus prmijfum , at armis in fefe mutuis concitari aut ad iacula urgeri, non modo inamoenum efficit cenuiuium, jed et noxiurn atque peßiferum it» animos faciles haud dubie quaeßiones & iucundae, non fine fruttu Demulcent & delini- mentis agitant: amarulentae ac nimium intricatae iuxta demetrium , quando dtfßculta - lern ingegunt imperitis, trifies auditores reddunt & anxios. Id enim adprime exped.it in conuiuiis, ut fermonis eadem fit, quae uini communio, quod omnes citra deleSium bibunt, nulla dignitatis habita ratione, Caeterum qui perplexas quaeßiones inter conui- uas fufeitant. quantum ad communionem & mutua beneuolentiae officia attinet, non fitnt grue illa aefopica vulpeculaue multo aeqwores, ärc. Vid. Plutarchi opera, ex vcxüonc lacina Patiüjs 1644. infolio»