Ausgabe 
3.3.1767
 
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7° Gr'esslsche wöchentliche Femeittttützige Anzeigen

gerne wollte bekannt machen lassen, ist dieses, daß sie es seit einiger Zeit wie­der mit einem neuen und besondern jungen Herrn zu thun hat, von dem man nichts weniger als LiebesHändel vermuthet hätte. Er ist ein Mensch in einem schwarzen Rocke, den vernünftiger Ernst, anständige Sittsamkeit und liebenswürdige Gefälligkeit überall begleiten und ehrwürdig machen sollten. Allein er ist der lustigste Poffenmacher. In Gesellschaften hört man kein vernünftiges Wort von ihm, sondern entweder elende Pralereyen von diesen oder jenen ausgeübten Streichen, oder einen Hühner und Tauben Diseurs, oder zweydeutige Späffe oder Verleumdungen des Nächsten, als worinnen er eine auserordentliche Stärke besitzt. Er hat mit meinen zween Brüdern auf der berühmten Akademie zu H. studiert, wo seine Hauptbeschäftigung war, mit einem benachbarten Landedelmann Ha­sen und Füchse zu verfolgen. Die armen Thiere Man sagt ihm nach, daß er ihrer manchmal mehr als zwölfe auf einen Tag soll erlegt haben. Man darf sich also mcht wundern, daß er sich immer noch mit ihren Bälgen kleiden kann. Die Verleumdung aber, als ob er beständig Hascnfüse bey sich trüge halte id) für weniger gegründet, als dieses, daß die Bälge der­selben in Vergleichung ihrer gegenwärtigen Bestimmung mit ihrer chmali- gen wemg oder gar nichts verlohren haben. Man sollte nun zwar denken, er hätte im Laufe dieser Beschäftigungen seinem Studiren gar nicht abwar­ten fönnen und zu irgend einem Dienste ganz unfähig bleiben müssen. Sie sollten ihn aber jetzt einmal als Prediger auf der Kanzel hören. Sie wür­den gewis über seine freymüthige Beredsamkeit, über die Ordnung, über die Worte und Gedanken in seinen Predigten erstaunen. Er gränzt so na­he an das Genie des durch difpofinones über die pericopas evangelicas so berühmten Seidels und dieses grosen Mannes Denkungsart ist mit der seimgen so homogee, daß man manchmal glauben sollte, man hörte Sei-- Mn selbst predigen. Auser diesen vorzüglichen Talenten besitzt er noch viele andre Geschicklichkeiten. Er ist nicht allein ein ganzer Jäger, sondern auch ein perfecter Tabackraucher, ein unvergleichlicher Tanzmeister und ein Reu­ter, dem der beste Husar nicht nachkommen Fann. Lerchen und Wachtel- garne kann er meisterlich stricken und meiner Frau hat er ein Arm und Hals­band von Korallen geschnürt, die nicht niedlicher seyn können. Bald hätte ich seines beständigen Begleiters, seines kleinen Hunds, zu erwähnen ver­gessen. Diesen hat er m allerlei) Künsten und Artigkeiten unterrichtet, unter andern ist auch diese, daß sich derselbe, so oft er es ihm befiehlt, auf den Ruckm legt and zeigt wie es die französischen Jungfern machen. Meine

- Jungfer