Uttd Nachrrchtett. 71
Jungfer Schwägerin erröthete, als sie mir diese letzten Worte dietirte und sagte mir Dabei), daß er erst vor einigen Tagen diesen unzüchtigen Spaß in einer gewissen Gesellschaft gemacht hätte.
Sehen Sie meine Herrn, das ist das Bild des verliebten RitterS (0 welch ein Bild!) der sich um das Herz meiner Jungfer Schwägerin Mühe giebt. So sehr sie Männern von seinem -Orden, aber würdigen und rechtschafnen Männern, mit der ehrerbietigsten Hochachtung zu begegnen pflegt: so kann sich das lose Mädchen doch manchmal nicht enthalten, über diesen Herrn zu spotten. Sie denkt dabey nie an die Ausschweifungen, deren er sich in seinen Studenten und CandidatenJahren öffentlich schuldig gemacht hat, nie an seine Liebes Handel mit berüchtigten Personen. Aber das will ihr nicht aus dem Sinn, daß sich dieser Mensch itzt noch mit seinen jugendlichen Ausschweifungen gros macht. Sie bittet Sie deswegen ganz inständigst, um des Publicums und insonderheit der grosen Gemeine willen, bey welcher er dient, daß Sie ihn an die grosen Pflichten, die er feinem Amte und seiner Person schuldig ist, errinnern, daß Sie ihm edlere Gesinnungen, eine ernsthafte Sittsamkeit, die Priestern, sie mögen bejahrt oder noch Jünglinge seyn, so anständig ist, und überhaupt eine unsträflichere Aufführung empfelen und daß Sie ihm insbesondere zu Gemüthe führen möchten, wie weniges sich für einen Prediger schickte, zum Wein zu gehen, seinen Nächsten und so gar Leute von bekannten Verdiensten zu schmähen, mit.Siegen über Frauenzimmer und mit unter die Bank getrunkenen Personen zu pralen, wie unanständig es für ihn sei), in vollem Ga- lop durch die Städte zu reiten und wie sehr jeder vernünftiger den Haß und Dünkel an Personen von seinem Stande verabscheue Dieses alles möchten Sie ihm doch um des Publicums und um seiner Gemeine willen sagen. Das menschenfreundliche Herz meiner edelgesinnten Jungfer Schwägerin wird Ihnen gewis sehr dafür danken und mit eben der Hochachtung Sie verehren mit welcher Ihnen ergeben ist
Dero
gehorsamster
A.
Nachricht.
Die schöne Hmd-Bibel, welche Meiner Vorrede des Anspach,- sthen


