Ausgabe 
3.3.1767
 
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daß es unter den Predigern viele gesittete und rechtschaffne Leute gebe; die dem wichtigen Amte, das sie verwalten, iwenn ich so reden darf, Ehre ma­chen. Der Verfasser scheint auch wenigstens diese Absicht nicht gehabt zu haben. Er gtebt vielmehr seine -Hochachtung für alle verehrungswürdige Prediger auf das deutlichste zu erkennen, und wünscht daß er durch seinen Tadel möchte gebessert werden. Wenn er'aber dieses nicht gethan hätte; so würden wir seinem Briefe gewis keinen Platz in unsrer Wochenschrift ver­gönnt haben. Er stellt nicht das Amt, sondern die einzelne Person eines Menschen in einem schwarzen Rocke als niederträchtig und ungesittet vor. Und überhaupt davon zu reden, so kann uns nicht unser Stand und wenn er auch noch so erhaben, noch so wichtig und heilig wäre, für dem Spott der Satyre schützen. Sondern dieß muß unsre Aufführung thun. Man kann also, ohne das crimen laefae maieftatis begehen, behaupten, daß selbst Prediger öffentlich bis aufs Blut gegeiselt zu werden verdienen, wenn sie Narren sind. Ich weis eben nicht, ob ein nichtswürdiger Prediger einer grösern Hochachtung werth seyn sollte, als ein jeder unartiger gemeiner Mann. Und wenn man von einem Prediger keine vernünftige und sittsame Aufführung fodern kann, von wem soll man sie dann fodern? Zum Be­schluß unsrer vielleicht nicht ganz unnöthigen Vorrede wünschen wir nur noch , daß alle Prediger über jeden gegründeten Spott erhaben, das ist, rechtschafne Christen und Leute von einer untadelhaften Lebensart seyn möch­ten. Wie nothwendig ihnen diese Eigenschaften sind, können sie zum Theil aus diesem Briese lernen.

Meine Herren!

Fe. . -en i4fen Febr. 1767.

Meine Jungfer Schwägerin hat mir eine sehr bcsondre Commission übertragen, die ich lieber wünschte, daß sie sie selbst möchte ausgerichtet haben. Ich soll Ihnen folgende Nachricht zuschicken und Sie im Namen derselben ersuchen, daß Sie sie in Ihre Blätter einrücken möchten. Ich hoffe, Sie werden diese Bitte einem Frauenzimmer, das Sie zum ersten­mal um eine Gefälligkeit anspricht, nicht abschlagen. Sie ist ein sehr liebes Kind, in der besten Blüthe ihrer Jahre. Die Natur ist überdies nicht stiefmütterlich mit ihr umgegangen und hat sie mit solchen Reizungen ge­schmückt, daß sie von Jugend auf das Glück gehabt hat, zu gefallen. Verschiedene junge Herrn haben bereits um ihr Herz geworben. Aber noch ists keinem gelungen, sie zu besiegen. Was sie Ihnen nun eigentlich