Ausgabe 
3.3.1767
 
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<2 GLeststhe wöchentlich- gemeinnötzige Anzeigen

über den harten Menschen geweint wird. Ich bin mit der vollkommensten Hochachtung.

Dero

ergebenste Dienerin.

A. E.

Sed minimus labor eft fapienter ia&ibus vri, Maius opus, morcs compofuiflc fuos.

Ovidius.

Wir sind lange unschlüssig gewesen, was wir mit dem nachstehenden Briefe, den man uns oor einiger Zeit zugeschickt hat und über dessen Znn- halt " wir nicht allein erstaunt sondern auch erschrocken sind , an­fangen sollten , ob wir ihm eine Stelle in unfern Blättern einräu­men , oder ob wir ihn zum Feuer verdammen sollten. Er enthält eine Nachricht von einem Menschen, der, wie wir hoffen, auf dieser Welt nicht existiren wird. Sollte ein Mann im schwarzen Rocke so viele lächer­liche und beschimpfende Fehler und eine so bäurische und unedle Denkungs­art haben? Das können wir unmöglich glauben. Der Brief muß erdich­tet seyn. Es wäre sonst unverantwortlich, daß man einen solchen Men­schen zu einem Prediger gemacht hätte, und die Leute müßten wirklich schaa- ke Köpfe gehabt haben, die ihn dazu für tüchtig gehalten hätten. Wir rücken diesen Brief also aus Gefälligkeit gegen den uns wahrhaftig unbe­kannten Verfasser als eine Erdichtung hier ein, woraus mancher Geistlicher sich sehr heilsame Lehren ziehen kann. Er kann daraus lernen, wie klug und vernünftig er sich aufführen müsse, wenn er nicht jedermann zum Spott und zur Verachtung werden wolle, und wie nöthig es sey, sich statt' der Eitelkeit mit der Demuth und mit guten Mitten zu schmücken.

Aber wie? Wenn dieser Brief keine Erdichtung wäre, wenn es wirk­lich einen Prediger gäbe, der eine so niederträchtige Conduite hätte? Nun wenn das auch wäre, so verdiente er ja noch weit mehr, als die Geisel der Satyre, und seine Beförderer verdienten in diesem Fall gewis eben so sehr getadelt zu werden, als er selbst.

Noch ein Einwurf fiel uns bey, als wir ihn durchlasen. Werden wir nicht den ganzen geistlichen Stand beleidigen und verächtlich machen- wenn wir diese Satyre drucken lassen? Das wäre vielleicht zu befürchten, wenn ich nicht edeldenkendeLeser vmuß setzen könnte, die mit mir überzeugt sind

. daß