66 Giessische wöchentlich -- gemeinnützige Anzeigen
schen allemahl am schönsten, welcher genau mit derKenkniß seiner selbst und seiner Mitbürger verbunden ist. Nach solchen Verhältmß wird jeder, seiner inner» Würde (ein gerechter Stoltz!) gemäß handeln, - der welcher am Ruder sitzt, als Mensch den Menschen nicht verkennen, - und der welcher unter ihm, seiner eigenen Würde eingedenk sich nie unter den kriechenden, windenden Geschöpfen finden lassen. — Die Würde des Menschen kann nie genug geschätzt werden; sie kann, und muß daher bey keiner Pflicht verlieren, noch vielweniger den schwächer» Menschen aufgeopfert werden.
Unter denen häufigen Entdeckungen welche ich als eine junge Mitbürgerin auf dem Schauplatz der moralischen Welt gemacht habe, finde ich vorzüglich, daß die wahre Menschenliebe und ein ohne Parteylichkeit verknüpftes Mitleiden mit dem Unglücklichen, noch sehr seltne Tugenden sind. - - Ein jeder welcher die gehörige Klugheit und Vorsicht mit dieser Pflicht zu verbinden weis, wird leicht einsehen daß ich hier nicht der Meynung bin, sie voneinander zu trennen. - Ob aber auch nicht oft eine unerlaubte Härte sich in die Gestalt der Klugheit und Vorsicht einkleidet - wird am beste», der Ausdruck: „ Er verdient kein Mitleid da er sich sein Elend selbst zugezogen: „ welchen ich so vielfältig gehört habe, entscheiden. Ich weis nicht, ob derienige Unglückliche welcher in sich selbst nichts als Vorwürfe findet, nicht einigen Anspruch auf unsere Menschenliebe und Trost haben könte, und beyder noch weit mehr bedürftig wäre als andere Elende; die in sich selbst gekehrt einen reichem Trost finden, als die ganze Welt ihnen darreichen kann?
Ich will jenen doppelt Unglückseeligen, - diesen sonst noch mehr als viele Gegenstände, an sich ziehenden Gegenstand des wahren Mittleids, vorbeygehen. - Ich will um den Menschen nicht wehe zu thun, einen andern wählen; ich will den Unschuldigenden Rechtschaffenen welcher bey unglücklichen Zufällen - bey Schlägen einer züchtigenden, und liebenden Vorsicht sich in Tränen badet, auftrette» lassen. Vielleicht finden sich hier Samariter? - - Ja sie finden sich freylich noch, der Menschlichkeit zur Ehre! allein wie selten! Nur allzuoft verhindern uns Bequemlichkeit, Stoltz, Rache, oder auch Menschengunst den wahren Nächsten zu erkennen, und auch hiervon habe ich leider schon Beyspiele in ihrer Art genug gefunden. - - Beyspiele von denen ich warlich noch nicht entscheiden kann ob sie mehr Verachtung oder Mitleiden verdienen. „ Der Mann, ,, sprach letzthin AlbanuS meiner grosen Gesellschaft, der Mann verdient ff wahr-


