Ausgabe 
3.2.1767
 
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14 GLesirsche wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen

und ich bin zu sehr Mensch, als daß ich nicht Mitleid mit ihm haben und seine Klagen entschuldigen sollte. Wenn ich aber einen Menschen, der ge- sund ist, der Nahrung miD Kleider hat, der durch erlaubte Mittel seinen Zustand immer noch verbessern kann, und dessen Ehre von niemand ange­fochten wird; wenn ich diesen über die Unbequemlichkeit seines ZusiandeS klagen hörte; so würde ich ihm sagen: Mein Freund du übereilst dich. Deine Klagen verrathen Unverstand. Du bist noch sehr weit von der wah­ren Weisheit entfernt, wozu der Mensch erschaffen ist. Du bist unzu­frieden mit der Regierung des Ewigen, du murrest über die Vorsehung, die allein weis, was zu deinem Besten dienet.

So ist es in der That! die Klagen solcher Menschen sind die deut­lichsten Beweise von ihrem Unverstand und ihrer blinden Uebereilung. Wenn sie allemal wüßten, was zu ihrem wahren Glücke diente; so wür­den sie gewis viel sparsamer mit ihren Wünschen seyn, und sich nicht über manche Umstande beklagen, die ihnen zwar itzt als unbequem unö unange­nehm vorkommen, die aber im ganzen Zusammenhänge zu ihrem wahren Wohl ganz unentbehrlich sind. Aber das wissen sie nicht, und sie'wollen es oft nicht wissen. Deswegen klagen sie zuweilen, von dem auserlichen Scheine verblendet, über den Mangel solcher Dinge, die ihnen, wenn sie sie würckiich besöffen, tausend Sorgen und Bekümmernisse verursachen und ihre Tage in lauter finstre und schwermüthige Nachte verwandeln wür­den. Sie wünschen sich Dinge, die sie in einiger Entfernungentzucken, wenn sie sie aber in der Nahe betrachten könnten; so würden sie lieh dafür entsetzen, und würden überzeugt werden, daß ihre Ruhe und Glückseelig- keit in dem Besitze derselben einen schnellen Tod würde gefunden haben. Stachus wünscht sich viel angesehener, vornehmerund von einer höhern Geburt zu sevn. Er bildet sich ein, er könne nie glücklicher werden, alS wenn er dereinst die Ehrenbezeugungen empfange, die gegenwärtig sein Landsmann genießt. Diese Einbildung, Stachus, ist thöricht. Du weist ja noch nicht ob die Ehrenbezeugungen, die du dir wünschest, auch für dich ein Glück sind. Du wünschest dir vielleicht etwas, das überhaupt be­trachtet ein Gut ist, allein in Rücksicht auf dich selbst, kann es ein groses Unglück seyn. Du würdest vielleicht aufgeblasen und hochmüthig werden, wenn man dir so grose Ehre bezeugte, du würdest vielleicht allerlei; Unheil in der Welt anfangen, wenn du die Gewalt dazu hattest, du würdest vielleicht der Unruhe und dem Verdruß nicht entgehen können, der mit ei# mr grosen Ehre unzertrennlich verbunden ist. Schreibe dirs in dein Herze, - wqS