Ausgabe 
3.2.1767
 
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wöchentlich--

Fünftes Stück.

Dienstags den zeen Stimmt. 1767.

Mit Hochfüriil. Reffen; Sßrnifldbtifd^r gnädigsten Erlaubnis.

Krtfttzung der Betrachtung über die Klagen der Menschen we­gen der Unbequemlrchkerk ihres Zustandes.

nfte meisten Klagen, ja vielleicht alle unsre Klagen entstehen aus der Vergleichung unsers Zustandes mit dem Zustande andrer Men­schen. Es wäre immer sehr gut und vernünftig/ wenn wir bey dieser

Vergleichung ein wenig vorsichtiger zu Werke giengen/ als es gemeiniglich zu geschehen pflegt. Denn wir vergessen dabey fast allezeit, das nothwendige, das unentbehrliche oder das was zum wahren Wohl unsrer Seele und unsers Körpers ganz eigentlich gehört, von dem zu unterscheiden, was weniger nothwendig, oft entbehrlich, meistentheils überflüssig und zum Endzweck unsers Daseins eben nicht unumgänglich erforderlich ist. Dies ist unstreitig die Urquelle, woraus die vielen strafbaren Klagen der Menschen stiessen. Es ist wahr, wenn ich einen Menschen klagen höre, dem es an Dingen fehlet, die er als Bürger dieser Welt nicht entbehren kann, der nackt ge­hen, Hunger und Durst leiden muß, dem man den verdienten Namen eines ehrlichen Mannes streitig macht, den man ungerechter Weise unter­drückt rc. rc; wenn ich einen >solchen Menschen klagen höre; so werde ich gerührt. Er ist zu sehr Mensch, als daß er darüber nicht klagen sollte,

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