424 Gieffsche wöchentlich ♦ gemeinnützige Anzeigen
mern und würdigem Kindern in gleiche Theile setzt. Der liederlichste Bösewicht träumt sich eine glückliche Zukunft voll Vergnügen und Herrlichkeit und bildet sich ein, seine itzige lockere Lebensart werde dereinst mit lauter Zufriedenheit und Glückseligkeit gekrönet werden.
Es ist eine eben so grofe Thorheit, wenn sich der Gottlose mit der- Aleichen Träumen schmeichelt und sich tausend unverdiente Glückseligkeiten von der Zukunft verspricht als es eine unnöthige und überflüssige Bekümmernis seyn würde/ wenn sich der Rechtschaffne, dessen Gewissen rein und frey von allen Vorwürfen ist, wegen der Zukunft quälen und in derselben nichts als Elend und Unglück sehen wollte. Der Rechtschafne, und nur er allein, hat von der Zukunft nichts zu fürchten, aber viel zu hoffen. Wie er sich vornimmt, keine unerlaubte Handlung mit Vorsatz zu begehen; so sicher ist er auch für allen schlimmen Folgen der Ungerechtigkeit. Wie gesagt, an die Zukunft denken können ist das erhabenste Vorrecht der vernünftigen Geschöpfe und ein Vermögen, das uns von dein-weisen Schöpfer zur Erlernung der Weisheit ist verliehen worden. Aber nur alsdenn gebrauchen wir dieses himmlische Vermögen recht, wenn wir unser Leben her Vernunft und Tugend gemäs einrichten und durch Rechtschaffenheit mw kluges Verhalten bey allen unfern Geschäften und Handlungen jeder unangenehmen Begegnis der Zukunft, zuvor zu kommen suchen. . Und wir wären dazu nicht verbunden, wenn nicht unser gegenwärtiger Zustand einen grosen Einfluß in die Zukunft hatte und wenn nicht unser künftiger Wohlstand in unserm gegenwärtigen Verhalten gegründet wäre. Dies über macht den rechten Gebrauch jenes Vermögens zu einer Pflicht, die wir uns selbst schuldig sind. Die Zukunft kann unser Glück erschüttern, und umsioffen; durch eine kluge und weise Aufführung aber können wir eS befestigen und für den gewalsamsten Stürmen beschützen.
Wie nützlich es sey , dieses Vermögen weislich anzuwenden, das haben mich besonders diejenige gelehrt, die nie an die Zukunft denken und ohne Ueberlegung und Aufmerksamkeit auf sich selbst in den Tag hinein leben. Zur Wamung.einiger Leute will ich mit folgenden lehrreichen Characteren meine Arbeit beschliefen.
Herr Christophe! wolgemuth / ein Mann von sehr feinem Geschmack in Kleidern und einer delicaten Zunge im Essen und Trinken, lebt alle Tage herrlich und in Freuden , bekümmert sich mehr um die Befriedigung seiner Eitelkeit, als um die Pflichten seines Amts, hat im sechs und breisigsten IrW Wes Alters schon vmMder most Welt gesetzt und acht


