Ausgabe 
30.12.1766
 
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und Nachrichten. 40

tt, ehe seine Betrügereien ans Licht kommen; so werden seine Rechnun­gen doch gewis nach seinem Tode untersucht Und wie unglücklich wird als­dann seine Familie, die sich vielleicht bcy seinen Lebzeiten für reich gehalten hat, weil sie nicht wußte, daß der Verstorbene ein Betrüger war und die Güter, die er besaß, auf Kosten seines Gewissens gestohlen hatte? Der Landes­herr, der seine Gnade einem Unwürdigen erwiesen hatte, zieht alsdann nicht allein mit dem völligsten Rechte die Güter wieder an sich, um die man ihn betrogen hatte, sondern er sicht auch die ganze Familie des Verstorbenen alS ganz unwürdig an, ihr irgend eine Gnade zu erzeigen. Wird seine Untreue aber noch bey seinen Lebzeiten offenbar; so läßt man ihm noch überdies die Gerechtigkeit wiederfahren, daß er wie alle andre offenbare Betrüger, an einem stillen und sicheren Orte sehr wohl verwahret wird. Alles was er durch-seinen Meineid erhalt und was ihm hernach noch von seinen Diebstählen übrig bleibt, ist eine höchst unglückliche und beweineswürdige Familie, eine unauslöschliche Schande vor den Menschen ein unruhiges und quälendes Gewissen und die verzweistungsvolle Erinnerung an seine Treulosigkeit, die er entweder Zeitlebens im Gefängnisse bereuen oder mit einer andern noch schimpflichem Strafe büsen muß.

Ein untreuer und betrügerischer Rechnungsbedienter ist noch viel blinder und thörichter als ein öffentlicher Dieb und Strasenräuber. Dieser hat doch noch einige Hofnung, daß seine Schandtaten auf dieser Welt werden verborgen bleiben- Jener aber hat nicht einmal den Schein einer hofnung. Seine Betrügereien müssen bekannt werden, er" mag sieh nun durch die Flucht zu retten suchen oder den verdienten Beschim­pfungen auf eine andre Art ausweichen wollen. Wie thöricht ist es also von einem solchen Menschen, daß er nicht an die Zukunft denkt, die ihn doch so leicht lehren könnte, daß er sich und die ©einigen unfehlbar un* glücklich mache, wenn er nicht treu in seinem Dienste und aufrichtig und ordentlich in seinen Rechnungen ist!

An die Zukunft denken können, ist ein Vorzug, der vernünftige Creaturen über alle andre Geschöpfe erhebt, und ein so unschätzbares Ver­mögen, daß man sich nicht genung wundern kann, daß nur so wenige Menschen sich dieses Vermögens bedienen, um weise und klug zu werden. Die Quelle dieses Fehlers kommt vielleicht daher, daß sich die Mensches gemeiniglich die Zukunft unter dem Bilde einer gnädigen und verzeihenden Mutter vorstellen, die mit uns Geduld hat, uns unsre Fehler nicht so hoch anrechnet, und uns aller Unvollkommenheiten und alles Ungehorsams ungeachtet dennoch nicht enterbt, sondern uns mit ihren übrigen gehorsa-

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