Ausgabe 
29.4.1766
 
Einzelbild herunterladen

und Nachrichten.

der Mne eines Menschen, der das höchste Glück auf der Welk, den Frieden mit seinem GOtt, genießt.

Ich will hiermit nicht so viel sagen, als wenn ein Tugendhafter oder ein Christ mit allen Menschen ohne Unterschied vertraut umgehen, über alle Einfälle und Scherze derselben lachen und nie ernsthaft seyn dürfe. Der Christ muß ernsthaft werden, wenn man in seiner Gegenwart der Tugend ru nahe tritt, ihren heiligen Gesetzen zuwider handelt, sich mit unanständig aen pöbelhaften Scherzen unterhält und in jedem schmutzigen und wollü­stigen Einfall sein Vergnügen sucht. An solchen niederträchtigen und un­vernünftigen Freuden darf der Christ kein Gefallen haben, sonst bleibt er kein Christ mehr. Und wenn er von ungefähr in solche thörichte Gesellschaf­ten kommt4 so muß er durch seine Ernsthaftigkeit mehr ein Beyspiel der Tugend und ein Verächter solcher sinnlosen Ausschweifungen, als ein Be­wunderer und Nachahmer dieser Thorheiten zu werden suchen. Doch mcht einmal ein blos vernünftiger Mensch, geschweige denn der Christ, wirdm Gesellschaften vergnügt seyn, worin man sich in unanständigen und laster­haften Einfällen hervorzuthun sucht. Ich behaupte nur, daß der Christ ben denen, die sich auf eine unschuldige Art freuen, stöstch seyn könne. Kein Gesetz, weder das göttliche noch das menschliche, verbietet uns, witzig zu seyn, wenn wir dadurch niemand beleidigen und die Tugend nicht entheiligen. Wir dürfen munter und vergnügt seyn, wir dür­fen scherzen und lachen, wenn erlaubte und gleichgültige Dinge uns dazu auffordern. Doch dies versteht sich von selbst.

Das wichtigste bey dieser Frage ist dieses: ob ein Chnst allen gewöhn­lichen Lustbarkeiten, allen Vergnügungen, die bey der Welt im Ansehen stehen, ohne Ausnahme und zu allen Zeiten beywohnen könne. Ich will die bekanntesten von diesen Vergnügungen durchgehen und offenherzig meme Gedanken darüber entdecken, in wie fern ich sie für erlaubt oder unerlaubt halte. Ich will sie nach der Vernunft und nach der Religion beurthenen. Diese sollen meine Führer auf dem Wege seyn^ auf welchem schon so viele sich verirret haben. Ich werde mich sorgfältig in acht nehmen, weder, den heiligen Rechten des Christenthums etwas zu vergeben, noch den Leiden­schaften der Menschen zu schmeicheln und ihnen alle Ergötzlichkeiten der We-t ohne Unterschied zu erlauben. Dadurch hoffe ich wenigstens nicht so woh, dem Vorwurfeiner allzugrosen Strenge als einer allzugrosen Gelrndigkert zu entgehen. Vorher aber wist ich dieses noch anmerken. Alle die gewöhnst- chen Ergötzungen der Welt, die ich hier anführen werde und die uns nut;

R i»