Ausgabe 
26.8.1766
 
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&78 Mesische wöchentlich - gemeinnützige Anzeigen

Wenn sie einmal etwas im Kopf haben, so ist niemand im Stand sie da­von abjubringen. Man mag als ein Amphion Felß nnd Wald bewegen können, so kann man sie doch nicht widerlegen noch eines besseren belehren. Dieses ist die Art Narren von denen der Weise sagt, daß! die Narrheit nicht von ihnen lasse, wenn man sie gleich in einem Mörser wie Grütze zer­stossen wollte. Wer dazu bestimmt ist, mit Leuten dieser Gattung in einer genauen Verbindung zu leben, der ist zu bedauren.

Hiervon muß man die Thorbeit verschiedner Leute, welche sich beson­ders klug zu seyn düncken, weil sie noch nicht Gelegenheit gehabt haben, die Schwache ihres Verstandes, und die Ungereimtheit mancher Handlun­gen einzuschen, unterscheiden. Diese sind eben noch nicht insgesamt würck- liche Narren ob sie gleich zuweilen einige Anlage dazu haben. Sondern cs komt viel auf den Umgang und die Gesellschaften an, in welche sie gera- then. Giebt man ihnen in all.n Stücken nach, so werden sie unvermerckt einbildisch, und eigensinnig. Wenn aber kluge Leute die gehörige Mittel gebrauchen, so ist eben noch nicht alle Hofnung verlohren. Man hat E- pempel genug daß aus Gecken, wenn ihnen Me Tborheiten nach und nach­begreiflich gemacht worden sind, und sie die Art und Manieren kluger Leute öfters gesehen haben, gesetzte und verständige Männer geworden sind. Die Thorheiten, die sie machen, sind mehr ein Fehler der Erziehung oder an­drer Vorurtheile als ein würcklicher Mangel des Verstandes. In dem er­sten Fall und wenn die Leute noch jung sind, ist ihre Besserung so gar schwer nicht. Man muß sie nur fleisig in die Gesellschaften vernünftiger Leute führen. Sie werden manche Ungereimheit, die sie an sich haben, von selbst einfehen und ablegen. In dem andern Fall aber muß man sich bemühen, ihnen ihre Vorurtheile unter der Hand zu benehmen. Man kann sich hierbey allerley Mittel und Wege bedienen. Man läßt in sein Gespräch bald eine gute Lehre oder sonst eine richtige Anmerkung einfiießen dadurch sie unvermerkt unterrichtet werden. Bald erzehlt man ein Excm- pek oder eine Geschichte die sich auf ihren Zustand schickt: ohne daß man sich feiner Absichten dabey mercken läßt. Bald streut man einen feinen Schertz, oder eine nicht viel beleidigende Spötterey mit ein. Bald lobt man einen andern, bald sie selbst, mehr um ihnen zu zeigen, wie sie seyn sollten als wie sie würcklich sind. Zuweilen tadelt man etwas an einem an­dern, und überläßt ihnen, ohne etwas davon zu äuffern die Anwendung auf sich selbst, und was dergleichen Mittel mehr sind, die demjenigen der Verstand und Erfahrung hat^ nicht schwer fallen werden in Ausübung zu bringen