Ausgabe 
26.8.1766
 
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«md prachrichtm. 275

bringen. Auf diese Art sind schon manche junge Leute die entweder an­fänglich einfaltig oder auch wohl naßeweise'und überklug gewesen sind, zu­recht gebracht worden: und diese Maximen sind bey der Erziehung junger Leute vorzüglich wichtig, ob sie gleich auch bey andern in ihrer Art inS . Merck gerichtet werden können. Hierbey muß man aber die Vorsicht ge­brauchen, daß man sich genau nach der Gemüthsart Demjenigen richtet, die man vor sich hat. Bey manchem schlägt eine Spötterey weit mehr an, als alle übrige Vorstellungen, zumahl wenn er noch einen ziemlichen Ver­stand und eine starcke Ehrbegierde hat. Bey einem andern verfangen diese Mitte! gar nichts, sondern machen die Sache nur ärger. Cotill ist fromm, aber aus Unwissenheit und kindischen Vorurtheilen abgeschmackt. Er kommt in eine Gesellschaft wo man seiner Ungereimtheiten spottet. Er hat so viel Verstand, daß er solches merckt: weil er sich aber einbildet, daß man seiner blos deswegen spotte, weil er fromm ist, so wafnet er sich heim­lich mit einer christlichen Gedult, und tröstet sich, daß die Welt mit den Krudem Gottes mcht anders umzugehen pfiege, und beschließt bey sich selbst, inskünftige nicht mehr da zugegen zu seyn, wo die Spötter sitzen. Er be­hält seine vorige Thorheiten immer fort: und er würde sie mit Vergnügen ab.gelegt haben, wenn er in die Hände eines rechtschaffnen Mannes gera­den wäre, und dieser ihm in seinen Vorstellungen, so weit es thunlich ge­wesen , Recht gegeben, dabey aber ihm unvermcrckt durch allerley Wen­dungen beygebracht hätte, daß die wahre Frömmigkeit nicht nothwendig diese oder jene ungereimte Manieren an sich tragen müsse, sondern man in allen Ständen und Lebensarten GOtt dienen, und die Sitten und Ge­bräuche der Welt in soweit als sie nichts sündliches an sich haben, mitma­chen könnte, ja würcklich mirmachen wüste, wenn man nicht durch sein Be­tragen die Frömmigkeit selbst verhaßt oder lächerlich, sondern der Gottselig­keit, wenn ich so reden mag, Ehre machen wollte. Hernach muß man Acht haben, ob die Tborheit nicht schon allzu tiefe Wurtzeln geschlagen hat» Alsdenn ist nichts übrig, als daß man ihr von weitem und nach und nach die Nahrung abschneidet, oder deutlicher zu reden, man muß einem solchen Menschen alle Gelegenheit dazu so viel möglich zu benehmen suchen, damit er dieselbige endlich gantz und gar vergißt. Es gilbt Leute die ihr gewisses Capicel haben, darinnen sie abgeschmackt sind, wenn sie gleich in andern Stücken sich gantz vernünftig betragen. Diese zu bessern muß man dieses Capitel so viel möglich vermeiden: und wenn die Gelegenheit von solchen Sachen zu reden, oft abgeschnitten werden kan, so verlieft sich endlich die

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