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anständigen Stellung zu erhalten, wenn sie ihre Predigten stey halten sollen. Stellt aber einmal einen Redner auf den Katheder, wo er feine Rede vor sich liegen hat, alsdann wird er euch zweifelhaft machen, ob ihr mehr feine Rede, als seine Stimme und die Anständigkeit, womit er seine Rede ablegt, bewundern sollt. Auf diese Art entwischt ihm kein Wort, kein Gedanke, kein Beweis, wodurch er seinen Zuhörer überzeugen und bewegen könnte. Warum ist man also so schwierig, dem Prediger zuerlauben, seine Predigt aufzuschreiben und abjulesen, da man doch auf alle Mittel bedacht seyn sollte, wie man die Wahrheiten der Religion auf eine recht deutliche, überzeugende und bewegende Art den Menschen vortrüge? Vielleicht würden die Prediger diese Gewohnheit schon lange eingeführt haben, wenn sich der gemeine so wohl als der vornehme Mann nicht so sehr durch Vorurtheile regieren ließ. Denn beyde glauben, der Prediger wäre unwürdig und unwissend, wenn er nicht seine Predigten aus dem Kopf hersagte. Es ist zu verwundern, daß man hier vom Bauer bis zum Edelmann einerley Gedanken hegt, welches doch sehr selten geschieht. Ich sollte fast denken, es müßte einem lieber seyn, wenn man ihm etwas besseres und schöneres vom Papier herläse, als wenn man ihm etwas schlechteres auswendig hersagte.
Der andre Einwurf, womit man in der Gesellschaft das Ablesen der Predigtenbestritte, bestund darin: man würde den Predigern nur Gelegenheit geben, gelehrte Diebstähle zu begehen und schon von andern gehaltene Predigten für ihre eigne Arbeiten auszugeben. Ich will zugeben, daß dies geschehen könnte. Aber kau man dann von andern gehaltene Predigten nicht eben so gut auswendig lernen, als abschreiben? Müssen sichs nicht die Saurinischen und Mosheimischen Reden oft genug gefallen lasten, daß sich ein, mit einem guten Gedächtnis und mit einer unverschämten Dreustigkeit begabter, Stümperin der Beredsamkeit untersteht, sie auswendig zu lernen und sie in öffentlichen Versammlungen für die Früchte seines eignen Geistes aus zu geben? Und vernünftig von der Sache zu urtheilen, so ist es lächerlich, wenn sich ein Zuhörer über einen solchen gelehrten Diebstahl seines Predigers beschweret. Verliert er denn etwas dabey? Er gewinnt ja noch sehr viel, weil er für eine schlechte eine gute Predigt hört. Ich wenigstens würde nie unzufrieden darüber seyn, wenn ich von vielen Candidaten statt ihrer Predigten lauter Saurinische, Cramerische oder Mosheimische Reden hören könnte. Ja ich würde wohl gar böse über diese Candidaten werden, wenn sie mich mit andern als solchen vortreflichen Reden unterhielten, im
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