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und ihn noch viel weniger erreichen. Auserdem wüßte ich gar wohl, daß mein Vorschlag in Gießen nicht würde ausgeführt werden, wo diejenige, denen die Vorsicht alle Mittel zu einer vernünftigen Erziehung ihrer Töchter zuge­wendet hatte, kaum so viel zum besten derselben beytrügen, daß sie sie le­sen und schreiben lernen liefen, und sich doch immer noch mit dem törichten Wahn tauschten, daß sie als denn gnug für ihre Kinder gesorgt hätten, wenn sie ihnen nur ein groses Vermögen Hinterliesen. In Dem Verstand und in dem Herzen derselben möchte es so wüst und unordentlich ausse- hen, als es wolle.

Ich wollte noch mehr zu meiner Verteidigung anführen. Allein unser Gespräch lenkte sich von ungefähr auf die Frage: ob es bcffer sey, daß ein Prediger seine Predigten ausschriebe und sie von der Canzel abläse, oder daß er sie aus dem Kopf hersagte? Einige behaupteten das erste; die meisten aber das lctztre und eine alte ehrwürdige Matrone wunderte sich so gar über die Frage und sagte; das müßte wohl ein feiner Prediger seyn, der seine Predigt ablesen wollte; sie Härte in ihren! Leben noch keinen gesehen, der es gethan hätte. - O das wird itytgrande mode, Frau Grosmama, rief mit einer ftolockenden Mine der vorhin genannte junge Herr, der eben so voll Vorurteile, und eben so wenig gewohnt war, nachzudenken, als seine Frau Grosmama. .So, sagte diese. Man hört doch alle Tage mehr Neuigkeiten, die nichts nutz sind. -

Ich mochte dieser sonst rechtschafnen Dame nicht ins Gesichte wieder sprechen. Allein ich gestehe cs doch gerne, daß ich keine Mode mehr billige, als diese, und daß ich wünschte, daß kein Prediger die Canzel betretten dürfte, der nicht seine Predigt im Buch liegen hätte und sie von Wort zu Wort herläse. Weil vielleicht noch wenige von meinen Lesern über diesen Punkt hinlänglich nachgcdacht haben und fast jedermann vom kleinsten bis zum größten meiner Meynung widersprechen möchte; so will ich einige Gründe anführen, warum ich es für ratsamer halte, die Predigt abzulesen, als sie auswendig herzusagen. Man muß alles prüfen, und das Beste behalten.

Vors erste sehe ich gar keine Notwendigkeit, die den Predigern auferlegte, ihre öffentlichen Reden an das Volk auswendig herzusagen. Ein weltlicher Redner ließt ja seine Reden vom Papier ab, warum sollte es nicht auch ein geistlicher thun dürfen? Gleichwohl aber setzt sich der geist­liche Redner allerley nachteiligen Urteilen seiner Zuhörer aus, wenn er seine

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