174 Gl'esrsche wöchentlich - gemeinnützige Anzeigen
Nach der gewöhnlichen GedenckungsArk der meisten Menschen ur- theilt ein jeder von denr-Werth einer Sache nach seinem Geschmack und seiner Neigung. Da aber diese sehr verschieden sind, und nothwendig verschieden seyn müssen, wenn kein Mangel an brauchbaren Leuten in der Welt entstehen soll, so solte man billig von seiner Neigung nicht gerad auf die Sache Überhauptschließen, noch alle Menschen nach seinem Maasstab gbmessen wollen. Dieser Fehler aber ist sehr gemein, und hat viele schädliche Folgen für die Wissenschaften. Die nützlichsten und besten Sachen werden verachtet und vernachlaßiget, und Dinge erlernt, die zwar hier und da einen Nutzen haben, aber selten gebraucht und daher nicht allgemein ange- prießen werden können. Leute, die Erfahrung und Welt haben, sehen den Ungrund solcher Vorurtheile wohl ein: Aber ost zu spät, so daß sie die Versäumung dieser oder jener Wissenschaft nur blosbedauren, aber selten nachholen können. Die meisten schließen allzugerne von dem besondern auf das allgemeine. Dämon steht daß in einer grosen handelsStadt die Kauf- mannjchaft Ehre und Reichthum erwirbt, und nun hält er dieselbe für die hauptWissenschast, die den Vorzug für allen übrigen verdiene: Seine Kinder muffen mit Gewalt Kaufleute werden, und er kann nicht glauben, daß man auch in andern Ständen glücklich seyn könne. Er betrachtet die Sache nur auf ihrer vortheilhaften Seite, und seineVorurtheile verblenden rhn so, daß er die schlimme Seite nicht gewahr wird. Ein andrer sieht nur diese und verachtet eine Sache, die er nicht verachten solte, weil sie imge- meinen Leben ganz unentbehrlich ist.
Junge Leute werden durch solche ungegründete Urtheile von dem Werth der mancherley Wissenschaften und Lebensarten nicht selten irre geführt. Ihre Lehrer setzen ihnen oft ungereimte Begriffe hiervon in den Kopf, daß die wichtigsten Sachen versäumt werden, und der Schaden nicht eher b's es zu spät ist, denselbigen wieder gut zu machen. Jener SchulLehrer ist ein besonderer Liebhaber von der hebräischen Sprache: Alle seine Lehrlinge müssen sich damitabgeben, und selbst diejenige welche die Rechtsgelahrheit oder Arzneykunst erlernen wollen. Es ist wahr, diese Sprache schadet ihnen nichts, aber haben sie ihre Zeit nicht nöthiger ru andern Dingen zu brauchen, die einen nähern Einfluß auf ihre künftige Lebensart haben? Doch bey dem Lehrer geht das hebräische über alles, und er kann Nicht begreifen, wie es möglich sey, daß man eine Sprache ver- Mmen könne, von der er glaubt, daß man sie im Himmel reden werde. Cln andrer rst so sehr für das Griechische eingenommen, daß^ wenn man
* ihn


