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wüschen Leben eines Menschen zu berechnen, Pa der Mensch nämlich die Ausübung der Tugend und den Gehorsam gegen die Gesetze zum vornehmsten Endzwecke seines Lebens macht, und nichts unternimmt, als waS wirklich gut ist und seine Glückseligkeit befördert. Wenn diese Berechnung Mode werden sollte; so würde man wenig, oder gar keine Greise hier begraben liegen sehen. Wie gros würde manchmal der Abzug seyn, den dieser oder jener alte Mann an seinen Jahren leiden müßte. Statt sechzgoder stebenzig Jahren würde man oft nur einige Tage oder wenn es hoch käme, einige Wochen oder Monathe setzen müssen. Auf diesen Leichenstein, zum Exempel, würde ich setzen: Hier ruhet im Schoose der Erde ein dicker Körper, der 70. Jahre zum Schrecken seines Nächsten auf der Welt herum gieng. Er starb schon im achten Tage seines Lebens, wurde aber nicht eher begraben, bis er viele Menschen unglücklich gemacht und sich selbst ein schreckliches Gericht durch seine Thaten zugezogen hatte. Auf diese Weife, fuhr er fort, würde man doch dem Geist der Lügen Einhalt thun, der besonders an diesem Orte, wo alle ängstliche Verdrehungen der Wahrheit vergeblich sind, und alle irrdische Glückseligkeit im Staube liegt, nicht mehr sollte gehört werden. Man betrügt die Menschen doch, wo man kann. Vielleicht würde man auch den Richter der Welt betrügen, wenn man könnte.
Noch schöner und lehrreicher aber wäre es, wenn es Mode würde, daß man zugleich die Thorheiten und Laster der Verstorbenen auf den Leichensteinen erzählte. Ich glaube gewis, daß düs ein sehr geschicktes Mittel wäre, manchen von den W^gen des Verderbens zurück zu rufen, zu dessen Rückkehr man schon alle Hosnung aufgcgeb n hat. Die Nichtigkeit aller irrdifchen Wünsche und Anschläge fällt 11116 hier am allerdeutlichsten in die Augen, und wenn solche Grabschriften keine heiligen Entschliesungen in dem Kerzen eines Lasterhaften wirken; so zweifle ich sehr, ob er jemals einer Besserung fähig ist. Ich möchte wissen, ob mein Nachbar, der unverschämteste Geizhals, diese Art von Confrontation ausstehen und sich nicht entfärben würde, wenn man ihm auf diesem Leichenjlem folgende Grabschrift unter die Augen stellte: Hier liegt der geizige Philax, der, um Schätze zu sammlen, so vielen Menschen Unrecht that, keinen Armen tröstete, keinen Nackten kleidete, keinen Hungrigen lpeisete. Wie will'g würde er anitzk alle feine Reichthümer hingeben, wen» er sich noch einmal das Leben dafür erkaufen könnte, um es vernünftiger und den Befehlen Gottes gemässer anzuwenden- Aber nun liegt er hier im Staube und
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