und Nachrichten. 'n $

müsse gelesen, geschweige denn in seiner Schule tractirt haben. Doch viel­leicht bildete er sich aus einer uralten hergebrachten Einfalt ein, man müsse, wie in den vorigen Jahrhunderten weiter nicht als lateinische Autoren in den Schulen zum Grunde legen. Ich bedaurete nur die arme Jugend, die der­einst unter lauter Deutschen leben und vielleicht auch andre in der deutschen Sprache unterrichten sollte, daß man ihr nicht einmal die Anfangsgründe ihrer Muttersprache befrachte. Inzwischen kann es aber auch seyn, daß der Mann einen Wahrsager Geist gehabt und vorher gesehen hat, man werde in der Zukunft nichts als lateinisch reden und predigen. Ich habe mrr allerhand- Gedanken darüber gemacht, und weis bis auf diese Stunde noch nicht recht, was ich davon denken soll. Der vernünftige Theil meiner Leser mag es ausmachen.' , ,

..-Was mich bey meinem Kummer aufrichtete, war, daß ich wieder zu einer Sandbüchse gelangte, dergleichen ich seit meines Aufenthalts bey dem Poeten nicht gesehen hatte. DieTochter meines jetzigen Besitzers, ein Magdgen, das geistreicher war, als alle Verse und Exercitia, die er mach? te, und schmackhafter, als alle seine Reden und Predigten, machte mir manche lustige Stunden. Esvergiengen wenige Tage, daß sie nicht einen Liebesbrief an einen gewissen Secretair schrieb, der endlich auch so glücklich war ihre Hand davon zu tragen, nachdem er den Besitz ihrer Person lange vorher gehabt hatte. Die schlaue Mutter merkte Unrath, sonst wäre so bald nichts daraus geworden. Ich wurde der Tochter unter andern mit zur Hauösteuec gegeben. ,A

Der Secretair wurde des guten Kmds bald müde. Der Ehrgech wurde in ihm rege und er vergaß seine junge Frau, die hernach auf das ge­fährliche Mittel verfiele, den Verlust des Umgangs mit ihrem Manne durch den Umgang mit andern wohlgewachsenen Leuten zu ersetzen. Denn ihr Mann fieng an Tag und Nacht zu studieren und wollte in kurzer Zeie geheimer Rath seyn. Zu dem Ende gab er ein sehr gelehrtes Werk her­aus, dazu er durch sein Amt veranlaßt wurde. Es schlug in das Staats­recht ein und wurde mit zwey hundert und fünfzig Urkunden, die wohl noch das beste darinnen seyn mochten, begleitet. Allein es blieb zu allem Unglück liegen, weil höchstens nur zehen oder zwanzig Personen in ganz Deutsch­land daran gelegen war, alle Kleinigkeiten seiner Herrschaft, zu deren Ge­schichte es gehörte, zu wissen. Der Verleger hat sich, wie ich nachher erfahren habe, wegen der grosen Summe, die ihn dieses Werk gekostet hat, erhenkt. Ich wundere mich nur, daß eS der Secretair nicht auch ' 3i x ) gethan