4oS Giesische wöchentlich-Zemeinnötzige Anzeigen
sogar bey seinen Reifen niemals in einem Wald von Mördern angegriffen worden: und ob er gleich oft zur See gereifct, so ist er doch nie den Seeräubern in die Hande gerathen. Hier glaube ich, wird der gröste Thei! der Leser bey sich dencken: das ist schade/ daß er nicht in einem Wald Gelegenheit gehabt hak, einem vornehmen und von Räubern angefallnen Frauenzimmer Zu Hülfe zu kommen, ihr Leben zu retten , und sich dadurch ihre Liebe zu erwerben. Es ist Schade daß er nicht ein paar Jahr in der Sclcwerey hat seufzen müssen, um dadurch einer schönen Zelima oder Rosalinde bekannt zu.werden, die sich bey seinem Anblick in ihn verliebt, und ihm hernach zur Freyheit Zu grossen Reichkhümern und zum Besitz ihrer Person hätte verhelfen können. Denn dieses sind doch die gewöhnlichsten Abentheuer, wenn man die unbewohnten Inseln, und den Aufenthalt unter einer wilden Nation dazu nimmt, welche den Leuten in den Romanen Kuszustossen pßegen: und so gebräuchlich diese Kunstgriffe sind, die Leser zur Verwunderung Zu führen, so sehr sind sie doch noch bey den neuesten Ro- manenschreidek Mode. Allein von allen diesen Dingen ist unfeim Ritter Nichts begegnet, und dennoch ist seine Geschichte noch unglaublich genug.
Nach zurückgekegten Reisen meldte sich unser Ritter bey Hofe. Man gab ihm auch sogleich eine Stelle ohne sich um seine Verdienste zu bekümmern: denn es war genug, daß er von gutem Adel war. Seiner Stelle wurde er bald überdrüßig , weil er weiter nichts zu thun hatte, als alle Morgen ein paar Stunden in der Antichambre müssg zu stehen, und tausend Freundschafts Versicherungen, auf die er nicht bald antwortete anzuhören. Seine übrigen Geschäfte bestunden darinnen, daß er wenn fremde kamen, die Ehre machen, und denselbigen tüchtig mic. Trinckcn zusetzen sollte: ein Amt welches er niemals verwaltet hat, weil er. für dieser schändlichen Gewohnheit nach welcher man demjenigen eine Ehre anzuthun glaubt den man genöthigt hat, allen seinen Verstand durch denTrunckzu verlieh-, ren, jederzeit einen MstlM gehabt hat. Weiler zu edel dachte als die Zeit mit Müffiggehen und Essen und Trmckerr zu zu bringen, und dafür einen ansehnlichen Gehalt noch über dieses zu ziehen, so gieng er zu seinem Herrn, und bat, worinnen er wohl wenig Nachfolger bekomnren dürfte, UM seinen Abschied. Der König der ihn bisher kaum nur von Gesicht kante, ob er gleich schon einige Zeit unter feinen Bedienten war, fand an ihm viel Vernunft, und Redlichkeit und gab ihm die Stelle eines Ministers, der er auch vollkommen gewachsen war, und webet) er nicht mehr nöthig hatte, sich über den Mangel der Geschäfte zu beklagen. Die Hofieute
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