und Nachrichten. 407

ander um sich verachtet. Vielleicht ist die Gleichheit welche auf hohen und Nie­dern Schulen zwischen Adlichen und Bürgerlichen Kindern beobachtet wird, hieran Schuld gewesen: wenigstens hat ihm die Gewohnheit, bürgerliche Personen als seines gleichen zu betrachten, in seinem gantzen folgenden Le­ben viel genützt, und ihn für dem so gewöhnlichen Stolz vieler Edclleute verwahrt welche nicht selten verdienstvolle Männer verachten weil sie nicht eben so wie sie durch einen blinden Zufall vornehm gebohren sind, viel­leicht aber ist auch dieses ein Grund warum so wenig Adliche niedre uni) hohe Schulen besuchen. Es ist Ihnen alles daselbst zu gemein und zu bürgerlich.

Hierauf ist unser Ritter auf Reisen gegangen, und wenig Theile der gesitteten Welt sind ihm unbekannt geblieben. Auf seinen Reisen bat er sich um die Sitten und Gewohnheiten dcr Völcker, um die Religion, Ge­setze und Regierungsform der Länder bekümmert, und dadurch nicht nur den grosen'Unterschied der Menschen untereinander, sondern auch das ähn­liche das sie alle miteinander gemein haben, und die Welt im gantzen ken­nen gelernt. Er hat mit seinem Reisegeld wohl Haus gehalten, wenig Staat gemacht, seine Absicht beständig vor Augen gehabt, und in allen Stücken vorsichtig gehandelt, welches ihck um so leichter war, da er die Wett bereits sehr nahe aus Büchern kannte, und jetzo nur darauf bedacht war dasjenige zu ergäntzen, wozu ihm die bloße Bücher unzureichend waren. In Paris hat er keine Maitresse gehabt: Selbst die Comödiantinnen ha­ben ihn nicht rühren können: Auch hat er niemals sich mit einer galanten Modekranckheit plagen müssen. In Italien hat er zwar Anfechtungen ge­habt, indem ihm einige maskirte Personen zuweilen zur Liebe nach dem dor­tigen Landsbrauch Gelegenheit geben wollten. Aber niemals hat er sich auf ihre Einladungen eingestellt. Dafür aber war er auch so glücklich, daß er bey der Ankunft des Mannes weder in den Kleiderschranck kriechen noch dem Fenster hinaüsspringen durfte. Niemals hat er nöthig gehabt, sich zu duelliren. Er hat niemand beleidigt , und dabey, welches das wichtigste ist, alle Klugheit und Vorsicht gebraucht, nicht beleidigt zu werden. Das ist, er hat alle schlechte Gesellschaften gemieden, sich nie betruncken, nie­mals in ein genaues Verständniß mit Frauenzimmer sich eingelassen, vielweni- ger eine entführt, nie zur Unzeit widersprochen, niemals etwas mit Hitze vertheidigt, oder mit Heftigkeit vorgebracht. Auf diese Art ist erden gewöhnlichsten Gefahren auf Reisen glücklich entgangen, und vielleicht hat er es seiner guten Aufführung zuzuschreiben, daß ihn die Vorsehung auch für sonst unverschuldeten Unglücksfällen bewahrt hat. Denn er ist auch

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