4°^ Giesische rvöcheneirch- gememnürzige Anzeigen
nichts böses von ihnen zu sagen hätte, so kann man doch von dem grösten Haufen der Menschen, die Vornehmen nicht ausgenommen, welker nichts als allgemeine Dinge sagen, welche die Zuhörer theils gar nicht intereßiren können, theils nicht so beschaffen sind, daß man sie als Bewegungsgrün- de zu löblichen Handlungen gebrauchen kann. Was kann man von manchem großscheinenden Mann weiter sagen, als: Er ward gebohren, Erlebte, nahm ein Weib, und starb!
Gantz anders verhalt es sich mit der Geschichte unsers Ritters, die wir dermalen mittheilen wollen. Sie ist von rühmlichen Tbaten ange- füllt, ob gleich ein großer Theil in weiter nichts als rn Unterlassung des Bösen besteht, als welches zu unfern Zeiten in der That schoii sehr viel ist. Da uns das ungewöhnliche und wunderbare ungleich stärcker rührt als das Gemeine und Alltägliche, so hat dieselbe auch hieran keinen Mangel. Viele Begebenheiten derselben sind so abentheuerlich, daß sie sehr nahe an das unglaubliche grantzen. Nur bittet man die Leser, wofern sie das wunderbare in dieser Geschichte nicht sogleich auf den erste«! Augenblick einsehen möchten, diesen Lebenslauf unsres Ritters zweyniat zu lesen, und wir sind versichert daß sie alsdenn fast eine jede Zeile wegen der Seltenheit des Falls in eine Art von Erstaunen versetzen werden.
Unser Ritter ist gebohren wie andre Kinder: Seine Eltern waren beyderseits von gutem Adel. Und so weit geht das gewöhnliche: Nun über folgt das befondre.
Seine gnädige Frau Mama hak ih«r sAbst gesaugt: Sein Herr Vatter hat seine erste Auferziehung selbst besorgt. Der junge Heivhat viel eher lesen können als Netze stricken. Er hat den Eatechismus"und die Biblische Geschichte weit früher innen gehabt, als die Kunstwörter der Jagdt, Sein Herr Vatter hat ihrn einen Informator gehalten, und einen tüchtigen Menschen nicht nur gefunden, sondern denselben auch hinlänglich belohnt. Niemals hat sich der Informator mit dem KaMmer- madgen oder der Französin gemein machen dürfen, und niemals hat die gnädige Mama denselben sauer angesehen, wenn er den Juncker bestraft hat.
Doch das sind noch Kleinigkeiten. Unser junge Herr ist bey Heranwachsenden Jahren auf eine Schule gethan worden, ohne daß die Frau Mama sich über seine Abwesenheit betrübt oder jener dos Heimweh bekommen hatte. Auf niedern und hohen Schulen, die er besucht hat, bat er etwas gelernt: und niemals ist «hm der thörigte Gedancke eingefallen daß die Wissenschaften einem Edelmann Schande machten: niemals hat er
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