Uttd Nachrichten. n

fenz in Zukunft vorsichtiger zu machen und sie für dergleichen unnützen und schädlichen Schriften abzuschrecken. Es sind die abgeschmackten Romanen, die albernen Feenmarchen, die pöbelhaften Comödien, die wir gern von den Nachttischen unsrer Schönen verbannen möchten. Diese sind fast .durchgängig, nur eine ganz kleine Anzahl davon ausgenommen, so erbärm­lich geschrieben, und aus einer solchen erhitzten Einbildungskraft hergeflos­sen, daß nichts geschickter ist, als sie, unsern Geschmack zu verderben, unfern Verstand zu verführen und unser Herz durch ihre allzu wollüstigen Bilder und allzu lebhafte Schilderungen unvermerkt zu erweichen und zu entkräften. Wer dergleichen Schriften oft gelesen hat, wird unser Urtheil gegründet finden und gestehen müssen, daß jede Minute, in welcher man sie ließt, übel angewendet wird. Demohnerachtet sind sie so zur Mode ge­worden , daß man in unsern Frauenzimmer-Gesellschaften fast von keinen Schriften als von Romanen oder Comödien reden hört, und daß ein jeder, der aus diesem Capitel nicht mit reden kan, für einen sehr unbelesenen Menschen und schlechten Gesellschafter angesehen wird. Wer muß sich richt wundern, daß bey so vielen vortreflichen und unvergleichlichen Schrif­ten, womit die grosen Geister unsrer Zeiten, die Welt beschenkt haben, uoch solche elende Bücher gelesen und manchmal bewundert werden?

Die Art und Weise, mit welcher unsre Schönen bey ihrem Lesen zu Werke gehen, scheint uns ebenfals nicht die allerbeste zu seyn. Sie lesen alles, was ihnen vorkommt, ohne Unterschied. Sie lesen zu geschwind und denken über das Gelesene nicht genug nach. Sie verweilen sich nicht bey dem, was sie schön finden, und untersuchen niemals, warum es schön ist. Auf diese Art kann der Nutzen der Lectüre nicht gar gros seyn. Doch wir sind geneigt zu glauben, daß dieser Fehler nicht von unfern Schönen herrührt/ sondern von den Büchern, die sie lesen. Diese enthalten entwe­der gar keine,, oder doch sehr wenige Schönheiten, die theils von unge­übten Augen nicht bemerkt werden, theils auch so geringe sind, daß sie nicht einmal einige Betrachtung verdienen. Vielleicht aber ist die vornehm­ste Ursache dieses Fehlers der Mangel des Umgangs mit Leuten, welche wissen, wie man Bücher, die das Frauenzimmer lesen muß, mit Geschmack lesen und beurtheilen soll. Ueber diesen Mangel dürste wohl unser Frau­enzimmer mit höchstem Rechte klagen. Denn es wird wohl niemand dar­an zweifeln, daß die Liebhaber der schönen Wissenschaften und die wahren Kenner des gutenGeschmacks unter uns sehr selten sind. Sollte dieses nicht auch

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