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kennen zu lernen. Doch manche, die sich für Kenner in der Geschichte ausgeben, wissen nichts von diesen Vortheilen die man aus der Erlernung der Historie ziehen kann. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn chnen die Geschichte von dem Ursprung des menschlichen Geschlechts, der Ausbreitung der Völcker, den Stiftern der ersten und grosen Reiche, dem Wachsthum der Religion, des Aberglaubens, der Künste und Wissen­schaften und tausend andre Begebenheiten dieser Gattung weit gleichgülti­ger sind, als die Nachricht von diesem oder jenem Hochgräflichen Hauße in Deutschland, und dessen Voreltern, Besitzungen oder Familien Streitig­keiten. Leute dieser Gattung sind wie diejenige die in tiefen Thälern erzo­gen worden, und sich bey einem ganz kurzen GesichtsKreiß, den ihnen die nahe Felsen und Wälder nicht weiter erlaubt«, die herrlichste Aussicht auf dem ganzen Erdboden zu besitzen einbilden. Wer in der alten Geschichte hinlänglich unterrichtet ist, der überstehet ganze Länder von der Höhe, da­rauf er, wiewol nicht ohne Muhe gestiegen ist. Die abwechselnde unD mannigfaltige Natur vergnügt ihn: die Gegend die er überstehet, ist ihm der angenehmste Schauplatz. Er sieht auch Walder und Felsen, aber auch zugleich angenehme und fruchtbare Ebenen, schifteiche Flüsse, prächtige Städte, Thürme und Palläste, Natur und Kunst, alles in einem Blick. Begebenheiten, welche den grösten Theil der Welt intercssren, wohin, unter andern die Eroberungen der Römer, die Ausbreitung der christlichen und mahomedanischen Religion, der Verfall und die Wiederaufnahme der Wissenschaften, die Creutzzüge, die Entdeckung der neuen Welt und andre mehr, gehören, verschaffen einem nachdenckenden Geist ungleich mehr Ver­gnügen als etwa die genaueste und umständlichste Nachricht, von allen in dem vorigen Krieg vorgefallcnen Scharmützeln. Und wo findet man alle diese wichtige Begebenheiten anderst als in der alten Geschichte? Unsere Zei­ten liefern insonderheit in Europa, wo alles auf einem festen und dauerhaf­ten Fuß gesetzt zu seyn scheint, solche erstaunende Abwechselungen nicht, und können sie auch nicht liefern, indem die neuere Geschichte, nach der gewöhnlichen Weiße zu reden, nicht einmal so viele Jahrhunderte in sich begreift, als man in der ältern Geschichte Jahrtausende zählt.

Man macht eine falsche Folge, wenn man deswegen die neuere Ge­schichte verachten wolte. Sie ist einem jeden Studirenden zu wissen nöthig: doch einem mehr als dem andern. Aber wenn wir die Vergleichung aus dem Grund anstellen, den wir jetzo gebraucht haben, so verdient die ältere Geschichte den Vorzug. Unter andern Bedingungen und Umständen muß