s6r GLestsche wöchentlich - gemekttttStzige Anzeigen
Aber sie verfahren doch behutsamer. Wenige sind es , die sichs emfallen lassen, ein eignes Gebäude aufzubauen: sondern die meisten gründen sich auf die Gedancken andrer, dabey sie aber auch von den Schriften, die von Verfassern eines gegenseitigen Systems herrühren, Gebrauch machen. Sie sind gemeiniglich Sectirer ehe sie Eclectiker werden. Hierdurch gewöhnen sie sich ganze Systemen in ihrer Ordnung zu überdenke», worauf es nicht so gar schwer mehr ist, das Mangelhafte aus andern Schriften zu ersetzen, und ein System durch das andre zu ergänzen und zu verbessern. Die Gewohnheit der meisten Ausländer aber besteht darinnen, daß sie hie und da ein Buch lesen, ohne ein einziges System recht in der Reihe zu überden- cken, und die Sätze die nach ihrem Geschmack sind, heraus nehmen. Wenn sie dann eine gute Anzahl Lieblings Gedancken, bey denen oft der Witz die Stelle der Wahrheit vertritt, gesammlet haben, so fangen sie an ein System aufzurichten. Auf diese Art kommen viele widersprechende Sätze zusammen , die durch einige wenige eigne Gedancken, und etwa ein bisgen Witz mit einander gepaart werden, die einem nachdenckenden Kopf aber gar bald als unrichtig oder unzulänglich scheinen, und der sogleich das Lanze System verwirft, aus eignem Kopf zu dencken anfängt, nichts mehr nachließt , und selbst ein System aufführt, das noch weit schlechter ist als das andre, mit dem er unzufrieden war: Da im Gegentheil, wenn ein Deutscher über so etwas kommt, derselbe das Gute behält, und blos das Fehlerhafte verbessert.
Es ist eine löbliche Bemühung der Deutschen, worinnen sie auch einen Vorzug für den Ausländern haben, welche gemeiniglich nichts als ein paar Schriften ihrer Nation lesen, daß sie die Wercke andrer Völcker in ihre Sprache übersetzen. Nichts davon zu reden, daß viele die fremde Sprachen nicht verstehen, die Bücher auf diese Art gemeiniglich wohlfeiler werden, und die -Originalen, sonderlich im Englischen und Italienischen nicht allenthalben zu haben sind, so haben selbst diejenige, welche der Sprache kundig sind, den Vortherl davon, daß die unrichtige oder unverdaute Gedanken der Verfasser gemeiniglich durch die Anmerckungen deS Übersetzers, wenn das Buch sonst in die rechte Hände geräth, verbessert und die gehörige Zusätze gemacht werden, so daß alsdenn die Übersetzung vollständiger und brauchbarer wird, als das Original selbst. So sotten billig alle Uebersetzungen wenigstens von wichtigen Wercken beschaffen seyn: Und es wäre zu wünschen, daß viele Buchhandlungen nicht alles schlechtweg ssgleich ms BeMsche bringen ließen, sondern die Uebersetzungen jeder.
zeit


