Z68 Giesische wöchentlich- gemcittttötzl'ge Anzeigm

Der Gerichtsdiener verpuste mich an einen! Advoeaten?i Mich'är­gerte der geringe Preiß, um welchen er mich demselben überlief Doch da er mich gestohlen l-atte, so konnte er es wohl thun. Der Advocat hat mir nicht wenig Verdruß gemacht. Den ganzen Tag über lief er in den Wirthshäusern herum und suchte die Leute zusammenzuhetzen. Des Abends aber faß er und schmierte bis in die späteste Nacht. Ich ward dadurch auf- gehalten , mich mit meiner lieben Sandbüchse, die ich da antraff, in Ver­traulichkeit emzukassen; denn so unverschämt war ich noch nicht, daß ich mich dessen bey Tage und in der Gegenwart vieler Leute unterstund, und vielleicht hatte ich darin einen Vorzug für euch Menschen. Ich zweifle nicht, daß ihr begierig seyd, zu wissen, wie wir uns unter einander zu ca- ressiren pflegen, da ihr euch so gern um Sachen bekümmert, die euch im geringsten nichts nutzen. Könnt ihr ganze Quarkbände von den Insekten und darinnen manche Vogen von der Art und Weise, wie sich diese Thiergen begatten, voll schmieren, so kann auch wohl noch ein Narurkün- diger ausstehen, der dieses Räthsel, das ich jetzt um eure Neugierde desto reger zu machen, vor euch verberge, in einem ganzen Folianten (denn je unnützer dre Sachen sind, desto mehr pflegt ihr davon.zu. schreiben) auflößt Und seine Erklärungen mit den nöthigen Kupfern begleitet.

Bey dem Advocate» hielte ich nicht lange aus. Er batte das M- glikck des Landes verwiesen zu werden, weil er einem Juden zur Verferti­gung eines falschen Wechsels behülflich gewesen war. Ich dachte, daß er wenigstens gehangen werden würde; aber die Gerechtigkeit war diesesmal nicht so strenge. Der Advocat hatte vermuthlich durch dergleichen Streiche viel Vermögen zusammengescharrt, welches coufiscnt wurden und weil er der Gerechtigkeit so viel-eintrug; so ließ man rhm einige Gnade wieder fahren. Die Gerechtigkeit pflegt unter euch Menschen nur gegen diejenige, die arm find und nicht viel bezahlen können, strenge und unbarmherzig zu seyn.

Durch diesen Vorfall gerieth ich unter die Gewalt eines Richters, der innwendig eben so -finster und schwarz , , als ich, aus sah. Bey diesem ha­be ich wohl meine schlimmsten Tage gehabt. Ich hatte nicht allem gar keine Ruhe; sondern er gebrauchte auch meine schwarzen Lebensgeister zu den größten Ungerechtigkeiten. Wie viele fatsche und gewaltthätige Urtheile hat er nicht aus mir geschrieben! Wie viele unnöthige Citationen und wieder- hohlte Bescheide, die ihm erstaunliche Summen eintrugen und feine Be­soldung auf eine eben so unglaubliche als ungerechte Weise vergröferten. Er schrieb keim Zeile, woran er sich nicht jeden Buchstaben mit einigen

Groschen