402. Giesische wöchentlich s- gemerttttötzrge Anzeigen
fern Anspruch auf unsre Gefälligkeit und Geschenke hak. plurarch erzählt hierbei) ein nachahmenswürdiges Beyspiel. Der König m Makedonien, Archelaus, wurde bey Der Tafel von einem Menschen, der die Geschenke ausserordentlich liebte, um einen goldnen Becher gebeten. Der König aber befahl dem Bedienten, den Becher dem Euripides zu geben, er sähe jenen an, und sagte; du schickst dich gut zum betteln, aber nicht zum empfangen. Euripides verdient Geschenke auch ohne sein Bitten. * Wir müssen auch bey unsern Schenkmgen, sagt plurarch bet) Gelegenheit dieses Veyspiels, nicht einer blöden Besorgnis, uns misfällig zu machen, folgen. Wie oft vergessen wir ehrliche und nothdürftige Leute, und geben unverschämten Menschen, die wir nicht das Herz haben, abzuweisen. Lasset uns erst gewöhnen, geringe Dinge abzuschlugm, damit wir es auch da thun können, wo es unsre Schuldigkeit nothwendig erfordert - Einem gut gearteten Gemüthe wird es oft schwer werden, etwas abzuschlagen, und doch ist es manchmal eine Nothwendigkeit, es zu thun. Mir müssen es so gar zu unsrer eignen Glücksecligkeit können.
Die Blödigkeit, fährt pluturch fort, wenn er ihre üblen Folgen erzählt, hindert uns oft, das beste und nützlichste zu erwählen. Wir lassen in einer Krankheit einen erfahrnen Arzt nicht rufen, weil wir uns einen bekannten nicht zum Feinde machen wollen. Wir geben unfern Kindern nicht die besten Lehrer sondern diejenige, die uns nachdrücklich empfo- len werden. Wir tragen unsre Processe nicht einem geschickten Advocate» auf, sondern dem Sohne eines Verwandten, dem wir diese Gefälligkeit nicht abschlagen können. Auch diese Blödigkeit muffen wir uns bey Klei- ; nigkeiten schon abgewohnen, und zum Exempel, keinen Arbeitsmann blos darum annehmen, weil er uns von jemand empfohlen wird, dem wir etwas abzuschlagen zu blöde sind.
Ein blöder Mensch setzt sich in der Folge grösrer Verwirrung und Unruhe aus, als diejenige ist, welcher er im Anfänge auszuweichen sucht. Er will einem Rauche entfliehen, und stürzt sich in em Feuer. Man thut aus Blödigkeit ein Eheversprechen, und muß hernach Lügen zu seiner Ausflucht gebrauchen. Derjenige welcher sagte, daß alle Einwohner in Asien einem Menschen sclavisch unterthänig seyn müßten, weil sie die einzige Silbe,
# Es wäre sehr zu wünschen , daß dieses Veyspiel in unfern Tagen mehr nachgeahmt würde, und daß man nicht zu blöde wäre unverschämten und hochmnthi- gcn Bettlern, ihre Bitte» nnd Forderungen zu versagen und nur das Verdienst mit Geschenke und Gnadenbezeugungen zu belohnen.


