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Le, nein, nicht ausfprecherr Bunten, scherzte zwar; allein wenn ihr blöde ftyd -und nichts sagen wollt, biüft chr nur die Stirne in die Höhe ziehen, oder auf die Erde nieder sehen, und könnt dadurch viele unangenehme Forderungen abweisen; Wie ost werden Dinge aus Blödigkeit versprochen, die man hernach nicht halten kann, • Empfehlungen an Höft, Fürbitten nn Fürsten, man hat nicht das Herz zu sagen; der König kennt uns nicht- Es iss aber feine Schande, daß wir nicht alles vermögen. Allein mehr auf sich nehmen , als man zu leisten Kräfte hat, ist Schande und macht uns Verdruß.
Mm: muß niemals nichtswürdige Leute aus Blödigkeit befördern. Es kan nicht schwer seyn, hier mit Oreustigkeit zu handeln. Lmigonus sagte zu einem feinen Menschen, der in der Armee befördert ftyrr wollte , weil er von Adel war: Freund bey mir wird der Adel der Tugend, und nicht der Adel des Geschlechts belohnt. Man muß aber auch den grosen aus Blödigkeit unanständige Dmge nicht bewilligen, sondern dreust genug seyn, sie abzuschkagen. Agesüaus wollte seinen Sohn zwingen, einen ungerechten Ausspruch zu thun. Mein Vater , sagte der Sohn, du hast michvonAnfang gelchrt, stets denGefttzen zu folgen ; daher bin ich dtr atrch itzt gehorsam und will nicht wider die Gesetze handeln. Tsmistocles sagte zu dem Dichter Simonides, der eine Ungerechtigkeit von ihm verlangte: du würdest kein guter Poet seyn, wenn du die Besitze der Dichtkunst nicht beobachten wolltest, und ich kein guter Regent, wenn mein Urtheil den Gesetzen des Staats entgegen wäre - - Weder das Ansitzen eines andern, noch seme Versprechungen massen uns blöde machen, unanständige Dinge z.u bewilligen; auch das Lob muß es nlcht thun, welches oft als ein Mittel gebraucht wird. Es ist genug, mit dem Pindar einem Menschen, der zu ihm sagte: Ich lobe dich allenthalben und be% allen Leurön; zu antworten: Ich bin dankbar dagegendenn ich mache, daß t>u mit der Wahrheit bestehest. So weit plutarch.
Als einen kleinen Anhang will ich nur noch m.inen Lesern die Frage zur Beantwortung mitthellen: ob sie es wohl für rathsam und- nützlich halten, bey Err zrehung der Kinder hauptsächlich auch darauf zu sehen, daß sie nicht blödewcrdeu? • Diese Blödigkeit zieht uns oft sehr unangenehme Mtheike zu. Man hält uns für falsch, für neidisch, für ungerecht undlcgt uns den entsetzlichen Charakter eines Menschenfeindes bey-. ____________________________________„
TUis;ng eines Briefes von Marburg, vom i. Dc^c. 1766.
P. P-,
Kem Tag ist wohl für Marburg und besonders für die hiesige Gvangel-Lutherische Gemeinde erfreulicher und gesiegneter gewesen, als der gestrige, an welchen die Anstalten des gnädigst verwilligten Waifenhaußes ihren so langst gewünschten Anfang nahmen. Nachdenre unsir Herr OberPfarrer Justi des Morgens nach einer schönen Predigt dieses Vorhaben der Versammlung bekannt gemacht hatte; verfammlete sich nachnüttags die sehr zahlreiche Gemeinde in der Pfarrkirche. Der Watftnvorsteher führte dre angenommenen von einigen Wohlthatcrrr überaus artig gekleideten k Waisenkinder, nemlich 4 Knaben und 4 Mägdlein in die Kirche, an den ihnen beforiders angewiesenen Platz. Nach geendigtem Liede ward eine schöne Musick aufgeführet; woraufvon dem Herr Pfarrer Nrrppersberg eine aufdiesiFey- erljch-


