Ausgabe 
8.4.1766
 
Einzelbild herunterladen

r" Giesifche tvöchenriich- gemeinnützige Anzeigen lichex Fällt« / j. E. bei) reichen, Key hohen Festen rc. Wir gestehe» es dem Herrn Verfasser ein, daß Fälle vorkommen können, wo die Pre­diger allzu wenigZeit haben, ihre Predigten von Wort zu Wort aufzuschrei« den, und wo sie sich vielmehr genöthigt sehen, nach einem kurzen vorher überdachten Plane zu predigen. Allein wie viele dergleichen Falle giebt es denn? Wir glauben nicht, daßsiemitder Menge derersenigen in eine Ver­gleichung können gesetzt werden, wo ein Prediger Zeit genug hat, seine Pre­digten völlig auszuarbeiken. Wenn nun auch ein Prediger, wie unser Herr Correspondent setzt, manchmal in einer Woche sechs bisacht Predig- km ablegen, und wirklich aus Mangel der Zeit ohne daß man ihm den Vorwurf der Bequemlichkeit machen könnte, über einen kurzen vorher über­dachten Plan reden müßte; so folgt doch unsrer Meynung nach weiter nichts daraus, als dieses: daß es unbillig seyn würde, diese Predigten zu tadeln, wenn sie nicht so vollkommen sind, als die andern, zu deren Ausarbeitung er Zeit genug gehabt hak. ' ,

Sbet unfet Herr Correspondent sagt, das geht nicht immer an, daß ein Mann der sich lange an das Ausschreiben und Ablesen gewöhnt hak, m solchen Fallen wieder aus dem Gedächtnis nach einem entworfenen Plane wedigen solle. Er ist dadurch zu furchtsam geworden, aus dem blosen Kopf zu reden. - Dieser Dnwurf fetzt wie uns deucht, einen Prediger vor­aus, der mcht viel versteht und keine deutliche und gründliche Erkenntnis von den Wahrheiten hak, die er vorkragen soll, er setzt einen Prediger vor. aus, wie er |ei;n kann, aber nicht, wie er seyn muß und seyn soll. Denn einem würdigen Prediger muß es eben so gar schwer nicht seyn, bei) auser- ordentlichen Fallen, die doch wirklich so gar häufig nicht vorkommen, Pre­digten gleichiam aus dem Stegreif abzulegen. Wir können Prediger die schon lange bet alle ihre Predigten aufschreiben und ablesen, und do» den auserordenklichen Vorfällen, wo sie nicht haben aufschreiben und ablesen können, ungemein beredt gewesen sind. Der Herr Verfasser hat also so viel von uns gewonnen, daß wir ihm einräumen müssen, es könnten das^eabr hindurch einige Falle sich zukragen, wo die allzukurze Zeit einem Prediger mcht erlaubte, seine Predigten aufzuschreiben, und wo er mithin unser» Vorschlag 'mcht ausfuhren könnte. Allein soll man dann um dieser wenige» Falle willen seine Predigten gar nicht aufschreiben und ablesen? Unser -fiert Correspondent wird diese Frage leicht beantworten können, da et uns ver­sichert' daß er von den groftn vortherlcn unsers Vorschlags und von der Starke unsrer Gründe überzeugt fey, da er unS zugiebt, daß