Xp8 Giesisthe wöchentlich- gemeinnützige Anzeig en
(Denn von der Postillenmäsigen verlohnt es sich gar der Mühe nicht Welter zu reden): so ist es bekannt, daß sie noch allenthalben zu sehr herrscht, als daß junge Leute von gutem Geschmack im Stand waren sie abzustellen, sondern vielmehr oft genüthiget sind sie wider Willen nachzuahmen. Man muß sie also noch zur Zeit als ein unvermeidliches Uebei dulden und auf bessre Zeiten hoffen: wie sich denn auch hin und wieder ein kleiner Strahl der Hofnung zeigt, da man nicht nur in Staats-Schriften von dem rauben und barbarischen Geschmack abweicht, sondern auch einige verdiente Rechtsgelehrte anfangen, eine reine und bessere deutsche Sprache in ihren Schriften zu gebrauchen. Uebrigens muß diese Schreibart m ihrem Gebiet bleiben, und nicht aus den Acten, vor denen die Musen fliehen, in Briefe oder andre Gattungen von Schriften sich einfchleichen wollen. Vielweni- ger muß man sich dieftlbige als eine gute Schreibart, oder gar nach einigen, als die einzige gute Schreibart aufdringen lassen.
Es wäre zu wünschen, daß man in unfern Schulen häufiger gute deutsche Muster lesen lieft, und die Schönheiten derftlbigen jungen Leuten auf eine begreifliche Art erklärte, damit sie bey Zeiten mit guten Mustern bekannt, und ihr Geschmack nicht, wie gemeiniglich geschieht, schon in der ersten Blüthe verdorben würde.
Wir kennen kerne Schulen, wormnen man dieses gehörig beobach- tet. In den meisten bangt man noch blos an den trocknen Spitzfindigkeiten der ScbulRhetorick. In andern trügt man vielleicht bessere Regeln, aber auch nichts als Regeln vor. Allenthalben läßt man ausarbeiten. Aber was hilft dieses alles, wenn nicht gute Muster zum Grund gelegt, rmd durch deren Entwickelung Empfindung und Geschmack aufgeweckt und geleitet, und die Ausarbeitungen hernach nach den Regeln, die man jungen Leuten durch die Absonderung aus guten Beyspielen geläufig gemacht hat, als welcher Weg einem systematischen Vortrag der Redekunst wo nicht vorzuziehen ist, doch voran gehen muß, ausgebessert werden? Ich will die Uriachen nicht untersuchen, warum man diese wichtige Pflichten so sehr versäumt. Das meiste liegt allerdings an den Lehrern. Aber sotten sie mcht auch hin und wieder groft Hindernisse finden, solche Dinge einzufuhren, da noch mancher gelehrter Mann die Satire eines Rabeners, oder den Schertz eines Zachariä lür etwas gefährliches hält, womit nicht nur die Schreibart, sondern sogar die Gemüther junger Leute verdorben würden?
So viel erinnere ich nur noch, duß wenn der Unterricht in diesem Stück in. den Schulen verbessert würde, man nach und nach eine gross Menge


