»ttö Nachrichten. 107

Wege. Nur in dem guten Geschmack können so viele Vülcker, denen eS nicht an Einsichten und Vernunft fehlet/ mit einander einig seyn:*und nur Key einer allgemeinen Unwissenheit ist es möglich / daß einerley falscher Ge­schmack oder einerley Art des Aberglaubens einreißt.

In den ältesten Proben der Schreibart/ die uns die heilige Schrift liefert/ findet man die nemliche natürliche und ungezwungene Art seine Ge- dancken zu ordnen und sich auszudrücken / worinnen die besten Schriften unter uns und andern Nationen geschrieben sind: und sie herrschet durch die ganze Schrift durch. Man vergleiche die Schreibart der biblischen Bücher mit einander / so wird man ohngeachtet ihrer Mannigfaltigkeit/ in dem Wesentlichsten der Schreibart eine bewundernswürdige Ueberein- stimmung finden / und ihre Verfasser haben durchgehends die nemliche Re­geln beobachtet/ die zum Theil hernach Griechen und Römer in die Form einer Wissenschaft gebracht haben. Wenn sie dieselbige nicht von der Na­tur gelernt haben/ woher ist sie ihnen denn bekannt worden? Oder hat sie der Geist Gottes dieselbige unmittelbar gelehrt? Man wähle was man will, so wird doch der Satz richtig bleiben, daß diese und eine jede andre Schreib­art, die ihr in den wesentlichsten Stücken ähnlich ist, die richtigste, beste und natürlichste ist.

Dieses liefe sich noch aus andern Gründen insonderheit aus einer ge­nauen Zergliederung der Regeln, welche uns die gesunde und allgemeine Menschen-Vernunft von der Schreibart lehrt, und nach welchen die besten neueren Schriften beurtheilt werden können, und die Probe halten, erwei­sen, wenn ich weitläufiger seyn und ein ganzes Buch schreiben wolte, unt> nicht noch von den Tadlern der heutigen Schreibart etwas weniges hinzu- fügen müste. Und wer sind diese? Es sind meistens Leute, die an einen Postillenmäsigen Vortrag oder an die so genante juristische Schreibart ge­wöhnt sind; (welche man beyderseits mit gröserem Fug die neue Schreib­art nennen könnte, weil man keinen einzigen alten Schriftsteller finden wird, der sich ihrer bedient hätte, und sie beyde ihren Ursprung nicht eher alsnach dem bereits verfallenen Geschmack gehabt habens Man könnte rhnen ihre Vorurtheile lassen, wenn sie nur nicht gemeiniglich mit der BekehrungS- Sucht befallen waren, und insonderbeit junge Leute mit vielen betheuerli- chen Minen lund geheimnisvollen Gesichtern für den gefährlichen Irrwe­gen, darauf sich die Neuere ihrer Meinung nach befinden, zu warnen pfieg- ten, und eben dadurch so viel an ihnen ist einen falschen Geschmack ausbrei- ten. WaS die so genannte juristische Schreibart noch insonderheit betritt» v. =0 1 (Denrr