Ausgabe 
8.4.1766
 
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Mefksihe AemerttttütziZe Attzergett

Wurf zu belegen, wenn sie dieselbige beschuldigen, daß sie neu sey. Dieses Verfahren ist an und für sich schon ungerecht , indem nicht alles Neue schlechterdings verwerflich ist. Wie aber wenn diese nemliche Schreibart die alte, die wahre Schreibart der Natur, die allgemeine Schreibart aller gelehrten und witzigen Nationen wäre?

Sie ist neu, weil es würcklich kaum zwanzig oder dreysig Jahre sind, daß einige grose Geister angefangen haben, den barbarischen Geschmack un­srer Vorfahren, dadurch wir ein Spott andrer Völcker geworden sind, und von denen einige so gar alle Möglichkeit witzig zu seyn, den Deutschen abgesprochen haben , zu verbringen. Denn das Gute, das in diesem Stück Dor diesem Zeitpumt geschrieben worden, ist nicht sehr beträchtlich. Noch ist der reine Geschmack unter uns nicht herrschend genug. Dergröste Theil unsrer Landsteure schreibt noch immer so erbärmlich als möglich ist. Eine flüchtige Vergleichung unsrer besten deutschen Schriften mit den Wercken der Griechen und Römer, denen sie sich zu nähern suchen, wenn sie gleich noch wenige erreichet haben, kann uns belehren, daß ihre Schreibart die uemliche sey, der lieb jene, denen man doch gewis nicht den gesunden Ge­schmack absprechen wird , bedient haben. Alle Nationen stimmen darinnen Oberem , daß Griechen und Römer Muster einer guten Schreibart bleiben, welche aller Nachahmung würdig sind. Ist also eine Schreibart, welche in den wesentlichsten Stücken mit diesen Mustern.übereinstimmt, nicht viel­mehr alt als neu zu nennen? Mich dünckt der Beweis rst eben so bündig, als derjenige, mit welchem wir das Alkerder protestantischen Religion gegen diejenige, die sie einer Neuheit beschuldigen, darthun. Italiener, Eng­länder und Franzosen, lauter Nationen, die man doch wohl nicht barba­risch nennen kann, schreiben so wie unsre heutigen gute Schriftsteller: und Man kann behaupten, daß diese ihnen Vielleicht eben so viel als jenen Alten schuDlg sind, und wir Deutsche vielleicht nicht Muth genug gehabt haben würden, den Griechen und Römern zu folgen, wenn uns nicht fremde und neuere Völcker den Weg gebahnt hätten. Eine Schreibartdie'unter allen gesitteten Nationen älter und neuer Zeiten gebräuchlich ist, ufld für gut ge­halten wird, und wUcher diejenige, welche auf Gelehrsamkeit und einen richtigen Ge'chmack nur dengeringsten Anbruch machen wollen, nachMaas- gab ihrer Einsichten insgesamt zu folgen, pflegen, muß wohl die allgemeine Schreibart, die wahre Schreibart der Natur seyn. Der gute Geschmack ist wie ein gerader Weg nur einförmig: der verdorbneM'chmack theiltsich, weil er sich von seinem Ziel entfernt, in unzehligr Krümmungen und Ab- wege.